Ein strahlender Septembermorgen in einer Villa in Südfrankreich: Der Hausherr ertränkt mit Hilfe des Gartenschlauchs ganze Ameisenvölker, seine alkohol-süchtige Frau versucht unbemerkt an ihren ersten Brandy zu gelangen, während der fünfjährige Sohn auf dem Brunnenrand mit seinem Leben spielt - willkommen im Leben der Familie Melrose. Paare, Passanten geben sich bei ihnen die Klinke in die Hand, man ist amüsant, gebildet, witzig, stinkreich und unbeschreiblich herzlos.
Ein einziger Tag im Leben der dreiköpfigen Familie Melrose, beschrieben auf nicht mal 200 Seiten, birgt so viel Elend, Schmerz und Ekel, dass es locker für 20 Großfamilien und mehrere dicke Wälzer reichen würde. Die alkoholsüchtige Mutter traut sich aus Angst und Unterwerfung ihrem despotischen und sadistischen Ehemann gegenüber nicht, ihrem verschüchterten fünfjährigen Sohn die Liebe und Zuneigung entgegenzubringen, nach der sich dieser so sehnt. Nachbarn, Bekannte und Freunde, die sich zum Stelldichein einfinden, versuchen (mit einer Ausnahme) eher dem Hausherrn nachzueifern und sich bei ihm einzuschmeicheln anstatt dem menschenverachtenden Treiben ein Ende zu setzen. Die Gespräche zwischen den Figuren bestehen aus verachtenden und gehässigen Bemerkungen über nicht-anwesende Dritte und pseudo-intellektuellen Überlegungen, die letztendlich keinerlei Relevanz besitzen. Der Leser verfolgt die Ereignisse abwechselnd aus dem Blickwinkel der verschiedenen Figuren und nimmt so an ihren Gedanken teil, was die Tragik der Geschichte noch verstärkt. Der an manchen Stellen aufkommende schwarze Humor und bitterböse Zynismus wird überdeckt von den Perversionen, die an diesem Tag zum Vorschein kommen, und das vorsichtig aufkeimende Lachen bleibt dem Leser im Halse stecken.
Eine tragische Geschichte einer traumatisierten und pervertierten Familie, die mit ihrer klaren Sprache so viel Gewalt ausdrückt, dass bei dem Leser nur Fassungslosigkeit und grenzenlose Wut zurückbleibt. Um nach dieser Lektüre einigermaßen gut schlafen zu können, bedarf es einiger Anstrengung, aber darauf muss man sich wohl einstellen, denn bis zur letzten Seite kann man sich dem Sog der Geschichte und der (naiven) Überzeugung nicht entziehen, dass es irgendwo in diesem Wahnsinn doch einen „normalen“ Menschen geben muss.