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Rezension: Das ganze Leben umarmen (Bettina Eistel)

Das ganze Leben umarmen Bettina Eistel ist 1961 ohne Arme auf die Welt gekommen. Meine Mutter erschreckt noch heute, wenn sie an die Totenstille zurückdenkt, die im Kreisssaal herrschte, als ich aus ihrem Bauch schlüpfte. Ich war zwar ein Wunschkind, aber dann das. Bettina ist eines der rund 10.000 so genannten Contergan-Kinder. Sie hat keine Arme – aber einen starken Willen. Mit Optimismus und Ideenreichtum setzt sie sich gegen die Ausgrenzung aus der normalen Welt zur Wehr! Ihre Stärke verdankt sie nicht zuletzt dem Sport: Seitdem sie als erfolgreichste deutsche Dressurreiterin bei den Paralympics in Athen 2004 abschnitt, hat ihr Leben sich erneut gewandelt …

Bettina Eistel strahlt durch ihre positive Art und ihren Humor eine Lebensfreude aus, an der sich so mancher Nicht-Gehandicapter ein Beispiel nehmen könnte. So macht es auch Spaß ihr durch ihre Biographie zu folgen, auch wenn es immer wieder Grenzen und Kämpfe, Wut und Ernüchterungen gab, durch die sie sich durchbeißen musste, das in der Regel aber erfolgreich gemeistert hat. Interessante Einblicke gibt es in die ganz und gar nicht immer so toleranten 70er Jahre, in der körperliche und geistige Behinderungen von der Gesellschaft noch gleichgesetzt wurden, in den Rückhalt und die Unterstützung einer tollen Familie, in die besonderen aber auch alltäglichen Probleme, die Bettina Eistel als Gehandicapte, aber auch als ganz normale junge Frau zu bewältigen hat, in die Anstrengungen aber auch Erfolge einer Olympionikin im Dressurreiten und vieles mehr. Eine positive und interessante Biographie, die es zu lesen lohnt!

Rezension: Das Spiel der Könige (Rebecca Gablé)

Das Spiel der Könige England 1455: Der achtzehnjährige Julian of Waringham ist der Schandfleck der Familie, weil er lieber den Duke of York auf dem Thron sähe als den jämmerlichen König Henry aus dem Hause Lancaster. Erst als der Kampf um Englands Krone offen ausbricht und Julian unverhofft Earl of Warinham wird, erkennt er, auf welche Seite in diesem bitteren Konflikt zwischen Lancaster und York er gehört. – Auch Julians Zwillingsschwester Blanche ist ein schwarzes Schaf: Auf der Flucht vor dem englischen Gesetz verschlägt es sie nach Wales, wo sie ausgerechnet mit Jasper Tudor, König Henrys Halbbruder, eine Liaison eingeht. In England wie in Wales führen die Lancastrianer einen verzweifelten Kampf, bis schließlich mit Edward IV. der erste König aus dem Hause York die Krone erringt. Für Julian und Blanche brechen schwere Zeiten an, und mit dem Widerstand gegen das neue Regime riskieren sie nicht nur ihr eigenes Leben. Denn in den Klauen der Yorkisten wächst in Wales ein Junge heran, der Englands letzte Hoffnung sein könnte …

Viel hat sich Rebecca Gablé für den dritten und letzten Teil der großen Waringham-Saga vorgenommen, der zur Zeit der Rosenkriege spielt und wie sie selbst im Nachwort schildert, wegen der vielen gleichlautenden Namen der historischen Persönlichkeiten und der unzähligen politischen Ereignisse sie lange davon abgehalten hat, ihn in Angriff zu nehmen. Gottseidank hat sie sich von den Schwierigkeiten nicht abbringen lassen, sondern mit dem ihr eigenen wunderbaren Erzähltalent einen grandiosen Abschluss der großen Familiensaga des englischen Mittelalters vorgelegt. Julian of Waringham, der Enkel des legendären Robin of Waringham, den wir aus „Das Lächeln der Fortuna“ kennen, lebt in schwierigen Zeiten, als die Machtkämpfe um den englischen Thron sich zuspitzen und schließlich in einem erbitterten Bruderkrieg enden.
Mit Fingerspitzengefühl und Spannung entführt Rebecca Gablé ihre Leser mitten hinein in ein äußerlich und innerlich zerrissenes England, bei dem Lords und Ritter sich zwischen ihren eigenen Familienangehörigen und für eines der beiden Häuser Lancaster oder York, die beide die Krone für sich beanspruchen, entscheiden müssen. Auch die Hauptfigur des Romans, Julian, leidet unter dieser Entscheidung und ringt lange mit sich, bis er eine Entscheidung zwischen der eigenen Meinung und der Familientradition trifft. Dieser innere Konflikt und die äußeren politischen Umstände sind so authentisch und glaubwürdig beschrieben, dass man glaubt, mitten im Geschehen zu sein und den inneren Zwiespalt selbst zu spüren glaubt. Durch die wunderbar gelungene Interaktion zwischen den historischen Persönlichkeiten und den fiktiven Charakteren gelingt ein farbenprächtiges, aber auch grausames Bild dieser Ereignisse, das seinesgleichen sucht. Die „weißen Flecken“ in den Geschichtsbüchern wurden auf spannende und glaubwürdige Art und Weise gefüllt, so dass man voller Überzeugung behaupten könnte, ja, so könnte es sich tatsächlich zugetragen haben. Rebecca Gablé hat es geschafft, ihre Leser nicht nur auf knapp 1200 Seiten zu fesseln und sie auf jeder dieser Seiten mitfiebern zu lassen, sondern auch die Neugier zu wecken, sich näher mit dieser Epoche zu beschäftigen.
Mit großer Begeisterung und Wehmut habe ich die letzte Seite zugeklappt mit der Folge, dass sich erstens die nächsten historischen Romane, die ich lese, an diesem werden messen lassen müssen, was alles andere als einfach sein wird und zweitens dem Gefühl, liebgewonnene gute Freunde für immer verlassen zu müssen, wobei mir der Abschied wirklich nicht leicht fällt.
Ein grandioser Abschluss einer tollen Trilogie!

Der Wald ist Schweigen – Gisa Klönne

Der Wald ist Schweigen. Ein Mädchen verschwindet.

Eine entstellte Leiche wird gefunden.

Eine große Liebe geht zuende.

Und eine Kommissarin bekommt ihre letzte Chance…

Meine Rezension folgt in Kürze.

4 neue Rezensionen

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Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft – Bas Kast
Bas Kast schafft eine bemerkenswerte Balance zwischen historischem, technischem, psychologischem und neurowissenschaftlichem Fachwissen und echtem Lesevergnügen, das nicht zuletzt aus den interessanten und lehrreichen Fallbeispielen und seiner tapferen Entscheidung rührt, sich selbst als Versuchsperson zur Verfügung zu stellen. Auch wenn Kast gegen Ende etwas abschweift, ist “Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft” allen zu empfehlen, die sich einen verständlichen Überblick über die aktuelle Forschung in diesem Bereich ein Bild machen möchten.
Note: 2

Die Hüter der Rose – Rebecca Gable
Die Figuren sind komplexer und vielschichtiger und damit noch glaubwürdiger, die Kombination zwischen fiktiven und historischen Persönlichkeiten machen auch hier den besonderen Charme der Geschichte aus. Da sind kleine Längen zwischendurch zu verzeihen, schließlich wird einiges geboten: Liebe, Verrat, Intrigen und familiäre Schicksale sind zu einem farbenprächtigen Roman verwoben, der von der ersten bis zur letzten Seite großes Lesevergnügen bereitet und der jetzt schon die Vorfreude auf den dritten und letzten Teil der großen Saga noch steigern lässt!
Note: 1

Die toten Kinder – Stefano Massaron
Durchaus packend und spannend ist der von Stefano Massaron vorgelegte Roman, der nicht nur Krimi, sondern auch ein Roman über traumatische Erlebnisse und die Qualen der Beteiligten sowie über das Erwachsenwerden auf eine Art, die man niemandem wünscht, ist. Auch wenn manche Passagen bei mir Brechreiz ausgelöst haben und ich ihn so nur Lesern empfehlen kann, die hier robuster sind, sind “Die toten Kinder” durchaus lesenswert.
Note: 2

Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord – Fred Vargas
Mindestens ebenso ungewöhnlich ist der Schreibstil, mit dem Fred Vargas ihre Leser erfreut. Poetisch und von klarer und doch immenser Dichte wird man gefangengenommen und fühlt sich zeitweise zurückversetzt in die guten alten britischen Detektivgeschichten eines Sir Arthur Conan Doyle. Doch Vargas Figuren sind menschlicher, komplexer und haben ihre eigene persönliche Geschichte, die in all ihrem Handeln zum Tragen kommt. […] Ein echtes Schmankerl für alle Freunde des eher leisen Krimis, der bei einem guten Glas Wein genossen werden sollte und der sicher nicht mein letzter Vargas gewesen sein wird!
Note: 1

Was lange währt…

Liebe Besucher von Millas Welt, sicher habt ihr euch schon gewundert, warum denn hier gar nichts passiert, aber hinter den Kulissen ist so einiges geschehen, dass mich meinen geliebten Blog etwas vernachlässigen ließ. So bin ich nicht nur ins 300 km entfernte Sauerland gezogen, sondern habe auch diese Woche meine Dissertation abgegeben, juhuu! So langsam kehrt wieder Ruhe ein und ich verspreche, dass Millas Welt nicht mehr so vereinsamt. Liebe Grüße, Milla