Du befindest dich im Archiv: September, 2007

Wellen – Eduard Graf von Keyserling

Wellen.Die Generalin von Palikow versammelt ihre Großfamilie zur Sommerfrische an der Ostsee. Irritierend und faszinierend zugleich gerät ein seltsames Paar in den Mittelpunkt: die wunderschöne Gräfin Doralice, die ihren alten Gemahl verlassen hat, und ihr neuer Lebenspartner, der Maler Hans Grill. In der Enge der Idylle zwischen Meer und Dünen entsteht bald ein schicksalhaftes Beziehungsgeflecht, voller Erotik und Dramatik.

Meine Rezension folgt in Kürze.

Rezension: Mönche, Meuchler, Minnesänger (Günter Krieger, Hrsg.)

Mönche, Meuchler, Minnesänger Früher war doch nicht alles besser: zwölf renommierte Autorinnen und Autoren entführen den Leser in die mörderisch gefährlichen Abgründe des tiefsten Mittelalters. Der Herausgeber Günter Krieger konnte großartige Schriftstellerkollegen für diese Anthologie gewinnen (Petra Balzer de Garcia, Tanja Kinkel, Titus Müller, Peter Erfurt, Günter Krieger, Walter Laufenberg, Belinda Rodik, Dieter Hermann Schmitz, Kirsten Schützhofer, Dagmar Trodler, Eric Walz und Ruben Wickenhäuser). Zwölf spannende Krimis über Mönche, Meuchler, Minnesänger!

Ja, das Mittelalter war eine dunkle Epoche, und doch ließen es sich die Menschen nicht nehmen, in den Lauf der Natur, der durch Hungersnöte, Naturkatastrophen, die Pest und kriegerische Auseinandersetzungen sowieso schon schwer zu überleben war, dem Schicksal, oder konkreter dem Tod eines Menschen auf die ein oder andere Weise nachzuhelfen. Dabei waren die Motive die gleichen wie heute: Hass, Liebe, Rache und Gier trieben die Menschen schon vor Jahrhunderten zu abscheulichen Taten. Und von einigen dieser Motive und Taten erzählt die Anthologie „Mönche, Meuchler, Minnesänger“, in der sich 12 namhafte Autoren historischer Romane ein Stelldichein geben und Kurzkrimis aus dem Mittelalter präsentieren.
Diese Anthologie ist wirklich ein besonderes Kleinod, denn die hier präsentierten Krimis aus dem Mittelalter sind durch die Bank weg sehr gelungen, und ich könnte nicht eine einzige benennen, die mir nicht gefallen hat. Da gibt es Verbrechen in den höchsten Adelskreisen, bei den wohlhabenden Bürgern, den Handwerkern und den ärmsten Bauern. Es gibt Verbrechen aus den unterschiedlichsten Motiven und die verschiedensten Todesursachen, doch eines ist allen Krimis gemeinsam: Sie enthalten nicht nur Spannung und Kurzweil, sondern entführen den Leser auf nur wenigen Seiten in eine vergangene Zeit und erzählen nicht nur von verbrecherischen Ereignissen, sondern vermitteln gleichzeitig auch ein für die Kürze der Seiten beeindruckendes und atmosphärisch dichtes Bild des damaligen Lebens mit all seinen Schwierigkeiten, den Einstellungen und dem (Aber-)Glauben der Menschen.
Jeder der Autoren zeigt seinen unnachahmlichen Stil, so dass eine Vielfalt geboten wird, die für Abwechslung und spannenden Lesespaß sorgt. Liebhaber historischer Romane kommen genauso auf ihre Kosten wie Krimifans, deshalb ist „Mönche, Meuchler, Minnesänger“ ohne Einschränkung zu empfehlen!

Mein fast perfektes Leben – Jonathan Tropper

Mein fast perfektes LebenEin Haus im Grünen, eine liebevolle Familie, eine erfolgreiche Zeitungskolumne: Doug Parkers Leben könnte perfekt sein. Eigentlich. Doch dann stirbt seine Frau Hailey bei einem Unfall. Ein Jahr später klammert sich Doug immer noch an seine Trauer und den Schmerz – an alles, was ihm von der großen Liebe geblieben ist. Als wäre das nicht schlimm genug, entwickelt Haileys pubertierender Sohn aus erster Ehe eine Vorliebe für illegale Rauschmittel, während Dougs Vater langsam den Verstand verliert, seine scharfzüngige Schwester bei ihm einzieht und die Hausfrauen der Nachbarschaft beginnen, den attraktiven Witwer zu umschwärmen wie hungrige Haie. Nein, das Schicksal fasst Doug nicht mit Samthandschuhen an – aber genau das ist es, was ihm schließlich den Tritt in die richtige Richtung gibt: zurück ins fast perfekte Leben.

Meine Rezension folgt in Kürze.

Rezension: Die Dunklen (Ralf Isau)

Die Dunklen Die berühmte Pianistin Sarah d’Albis verfügt über eine geheimnisvolle Gabe, die auch die Wissenschaft fasziniert: Synästhesie. Sie »sieht« Töne als Farben und Formen. Während sie in Weimar der Premiere eines bislang unbekannten Stücks von Franz Liszt beiwohnt, erblickt sie in der Musik eine unheimliche Botschaft. Seit Jahrhunderten sind die Dunklen, skrupellose “Farbenlauscher”, auf der Suche nach einem Musikstück, dessen Besitz unendliche Macht über die Menschen verspricht. Es liegt an Sarah, den Plan der Dunklen zu vereiteln, und sie begibt sich in höchste Gefahr. Denn die Zukunft der Welt hängt davon ab, wer die Partitur zuerst entdeckt…

Ralf Isau hat mit seinem neusten Roman „Die Dunklen“ einen wirklich außergewöhnlichen Mystery-Thriller vorgelegt, der durch neue Ideen überzeugt, die völlig abseits der Verschwörungsthriller liegen, die gerade den Buchmarkt überschwemmen. Natürlich werden auch hier Freimaurer erwähnt und auch der Vatikan spielt eine (allerdings erfrischend andere!) Rolle am Rande, doch im Zentrum der Geschichte steht die Geheimgesellschaft der Farbenlauscher, deren Aufspaltung in Lichte und Dunkle vor vielen Jahrhunderten Gefahr über die Menschheit in der Gegenwart und die Zukunft der Welt bringt. Wissenschaftliches Äquivalent dieser Farbenlauscher ist die so genannte Synästhesie, also die Fähigkeit, Empfindungen mit mehreren Sinnen wahrzunehmen, also z.B. Töne als Farben zu sehen.
Dreh- und Angelpunkt des Buches ist der Komponist und Pianist Franz Liszt, der bereits zu Lebzeiten (1811-1886) seine Zeitgenossen und Beobachter faszinierte und bis heute zu den schillerndsten Musikern der Musikgeschichte zählt. So ist es ein besonderes Bonbon des Buches, dass jedem Kapitel ein Zitat von oder über Franz Liszt vorangestellt ist, das für die folgenden Geschehnissen die perfekte Einleitung bietet und zudem dem Leser einen ersten Eindruck und ein Gefühl für diesen großartigen Musiker vermittelt.
Dass bei der Entstehung dieses Romans über 600 Quellen gesichtet und eingearbeitet wurden, spiegelt sich in der Komplexität und der Detailverliebtheit der Fakten wider, die ihren Teil zu der erzeugten Spannung beitragen. Ralf Isau beherrscht die Kunst, Fakten und historische Persönlichkeiten sowie aktuelle Ereignisse der Weltpolitik so miteinander zu verknüpfen, dass selbst bei ausgewiesenen Verschwörungsskeptikern ein Kribbeln im Bauch entsteht. Auch wenn die Überlegungen der Hauptfiguren an der ein oder anderen Stelle sehr schnell zur richtigen Lösung und damit zum nächsten Schritt führen, sorgen überraschende Wendungen für ein rundum gelungenes Lesevergnügen. Absolute Lese-Empfehlung für alle Verschwörungsfans, die gerne mal abseits des Mainstreams wandeln!

Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt – Martin Geck

Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt. Kleine Geschichte der Musik Lust auf einen Konzertbesuch? Dann ist Martin Geck der richtige Begleiter. Er nimmt uns mit zu Teufelsgeigern und Klaviervirtuosen, zu Sinfonie und Streichquartett. Er führt uns auf die Höhen der Kunst und in die Niederungen des Alltags der großen Komponisten. Bei der Entstehung ihrer Werke sind wir live dabei. In der Oper dürfen wir den Pudergeruch der Bühnenbretter atmen und Kastraten, eitle Tenöre und hysterische Primadonnen bestaunen. Beim Kirchgang lauschen wir Kantaten und Motetten. Dann zieht es uns hinaus auf die Straße, wo fahrende Spielleute unterwegs sind und nicht nur romantische Lieder, sondern auch allerlei Freiheitslieder erklingen. Erfrischend anders erzählt Martin Geck die Geschichte der Musik von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Immer spürt er dabei den Bezug der Werke zu den großen Strömungen, Umbrüchen und Wandlungen der Zeit auf. Sein vergnügliches und kluges Buch ist, mit Mozart gesprochen, geeignet «für aller Leute Gattung – ausgenommen für lange Ohren».

Meine Rezension folgt in Kürze.

3 neue Rezensionen

Für die vollständige Rezension und weitere Infos einfach auf den Titel klicken!

Mord im Grandhotel – Rita Hampp
Ein solider und flott geschriebener Krimi, der vor allem durch die liebenswürdig gezeichneten Personen und die authentische Atmosphäre der Kurstadt Baden-Baden überzeugt. Überzogene Action ist hier nicht nötig, um Spannung zu erzeugen, es gibt auch so einige brenzlige Situationen, in denen man die Seiten nur so verschlingt, um endlich zu erfahren, was wirklich hinter den Ereignissen steckt und ob das Trio unbeschadet aus diesem Fall herauskommt. Gelungene Unterhaltung für Freunde des deutschen Krimis mit dem richtigen Maß an Lokalkolorit und schrullig-liebenswerten Charakteren!
Note: 2

Wo kein Zeuge ist – Elizabeth George
Alles in allem – insbesondere für Fans von Lynley & Havers – ein gelungener Band der Krimireihe, der spannende Unterhaltung durch einen interessanten Fall bietet, aber insbesondere im letzten Drittel des Buches durch eine private Tragödie den Leser fesselt und so bis zum bitteren Ende zum Weiterlesen zwingt.
Note: 1

Kindheit in Ostpreußen – Marion Gräfin Dönhoff
Gräfin Dönhoff versteht es durch ihre besondere Erzählweise, die durch pointierte Szenen und liebevolle Landschaftsbeschreibungen auffällt, auch Leser, die noch nie im damaligen Ostpreußen waren, für diese Gegend zu gewinnen und vermittelt ein Gefühl von Heimat, das durchweg positiv zu verstehen ist.
Note: 2

Rezension: Velasquita (Michael H. Schenk)

Velasquita Spanien im Jahre 1809. Napoleonische Truppen haben weite Teile des Landes besetzt. Velasquita, als Waise bei einem katholischen Priester aufgewachsen, ist eine lebenslustige junge Frau in einem kleinen und bedeutungslosen Ort nahe der Grenze zu Portugal. Als französische Truppen an den Bewohnern ihres Dorfes ein Massaker verüben und sie später auch ihre erste Liebe, Alejandro, verliert, entwickelt sie sich zu einer Guerillakämpferin, die erst ruhen will, wenn ihr Land wieder frei ist.

Velasquita ist die Geschichte einer jungen Frau, die in die Wirren des spanischen Unabhängigkeitskrieges gerät und ihr Leben komplett neu ausrichten muss. Von einem Tag auf den anderen verliert sie ihre unbeschwerte Jugend in einem kleinen unbedeutenden spanischen Dorf und findet sie sich inmitten von Guerillakämpfern wieder, die ihren eigenen Krieg führen, um die Freiheit Spaniens zurückzugewinnen.
Sperrig und etwas spröde erscheint der Schreibstil von Michael H. Schenk, der einiger Gewöhnung bedarf, doch schon bald erkennt man, dass dieser Stil das Setting und die Ereignisse rund um Velasquita perfekt reflektiert. Die wilde Schönheit eines zerrissenen und vom Krieg erschütterten Landes und die zerklüfteten Berghänge sind der Hintergrund, vor dem die Geschichte spielt. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte vor einem bislang literarisch vernachlässigten historischen Hintergrund, der von Michael H. Schenk sehr glaubwürdig und authentisch aufgearbeitet wird und die Anfänge der Guerilla schonungslos und brutal darstellt. Vor diesem Hintergrund agieren die fiktiven und historischen Persönlichkeiten, deren Charakter vor allem durch ihr Handeln und ihre Gespräche verdeutlicht wird, so dass der Leser zum allwissenden Begleiter wird, dem die Inneneinsichten der Figuren weitgehend verwehrt bleiben. So ist es ihm selbst überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen und Sympathien zu verteilen, wobei das vor allem bei den Hauptfiguren nicht schwer fallen dürfte. Auch wenn jede Figur natürlich einer Seite (französisch vs. spanisch) zuzuordnen ist, gibt es – mit wenigen Ausnahmen – nicht nur Gut und Böse, sondern vielmehr Menschen unterschiedlicher Herkunft, die alle unter der Grausamkeit des Krieges zu leiden haben.
FAZIT: Ein lesenswerter Roman vor ungewöhnlichem historischem Hintergrund, der, hat man sich einmal auf den Schreibstil eingelassen, gefangen nimmt und nicht mehr loslässt.