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Rezension: Mörderischer Westen (Angela Eßer, Hrsg.)

mörderischerwestenWas haben ein Profi-Dampfgarer, Herzogin-Kartoffeln von Bofrost und ein fabrikneuer BMW miteinander gemein? Richtig, wenn sie in die falschen Hände geraten, können sie einer Menge Leute eine Menge Ärger bereiten. Zumeist Ärger mit tödlichem Ausgang … Angela Eßer stellt in der Anthologie Mörderischer Westen fesselnde Krimi-Miniaturen von renommierten deutschen Autorinnen und Autoren vor. Der Westen ist schon lange eine mörderische Gegend, jedenfalls literarisch, denn er beherbergt viele Autorinnen und Autoren, die dem deutschsprachigen Krimi wichtige Impulse gegeben haben. Die Auswahl beleuchtet das Verbrechen aus verschiedenen Blickwinkeln, und siehe da, es muss ja nicht immer nur Mord sein, wenn das Gesetz in einem Buch gebrochen wird. Die Krimis bieten mörderisch spannende Unterhaltung, gewürzt mit einer Prise Humor, ein wenig Lokalkolorit und dem einen oder anderen Aha-Effekt.

Autorinnen und Autoren:
Anne Chaplet, Martin Conrath, Angela Eßer, Monika Geier, Gunter Gerlach, Marcus Gieske, Peter Hardcastle, Almuth Heuner, H.P. Karr, Jürgen Kehrer, Herbert Knorr, Ralf Kramp, Krystyna Kuhn, Heidi Rehn, Klaus Seehafer, Ingrid Schmitz, Harald Schneider

Im mörderischen Westen geben sich bekannte und unbekanntere Krimiautoren ein Stelldichein und präsentieren in dieser Anthologie insgesamt 17 Kurzkrimis, die allesamt spitze Pointen und eine Prise Lokalkolorit enthalten. Wie in jeder Anthologie gefallen dem Leser einige Kurzkrimis besser als andere, ich persönlich schätze besonders diejenigen, die sich durch schwarzen Humor, einen guten Erzählstil und eine überraschende, aber schlüssige Auflösung auszeichnen. Von diesen bietet der Mörderische Westen einige, so dass ich auf den Geschmack gekommen bin, mir einige der Autoren näher anzusehen und den ein oder anderen längeren Krimi dieser Autoren bereits auf die Wunschliste gesetzt habe. Auch wenn viele Krimis unterschiedliche Settings, andere Verbrechen und natürlich verschiedene Motive beinhalten, empfiehlt es sich, die Anthologie nicht am Stück zu lesen, sondern sich vielmehr immer zwischendurch einen Kurzkrimi auszusuchen und diesen dann in seiner ganzen Tragweite auszukosten.

Meine Favoriten in dieser Anthologie sind 4 Kurzkrimis, die zeigen
- wohin das Nichtraucherschutzgesetz führt
(„Raucher sind Mörder“ von Jürgen Kehrer)
- dass Zufälle auch die besten Pläne zunichte machen können
(„Späte Gäste sterben früher“ von H.P. Karr)
- wie schwierig sich eine Flucht gestalten kann
(„On the road: von Lippstadt nach Unna“ von Gunter Gerlach) und
- dass man in der Eifel so schnell niemandem etwas vormachen kann
(„Stiftels finsteres Geheimnis“ von Ralf Kramp)

Rezension: Der Marsch (E.L. Doctorow)

Der Marsch Das große amerikanische Antikriegsepos - ausgezeichnet mit dem PEN/Faulkner Award.E.L. Doctorow erzählt von Liebe in Zeiten der Gewalt, von Idealen im Malstrom der Schlacht und vom Krieg als alles erschlingendem Ungeheuer - gestern wie heute. Ein von der Kritik gefeierter und mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichneter US-Bestseller (.1865, der Amerikanische Bürgerkrieg liegt in den letzten Zügen. General William T. Sherman marschiert mit einer Armee von sechzigtausend Mann durch Georgia, South und North Carolina. Die notdürftig ausgestatteten Rebellen der Südstaaten haben keine Chance gegen die hochgerüstete Union. Und folglich führt Shermans Marsch zum Sieg der Nord- über die Südstaaten und zur Abschaffung der Sklaverei. Doch am Ende ist jeder Opfer des Krieges: einfache Soldaten ebenso wie hochstehende Generäle, befreite Sklaven ebenso wie ihre Unterdrücker, die Bewohner des Nordens wie des Südens.»Der Marsch« eröffnet das eindringliche Panorama einer der schmerzhaftesten Epochen der amerikanischen Geschichte. Mit großem Einfühlungsvermögen folgt er den Protagonisten dieses unfassbaren Dramas und zeigt dem Leser mit ungeheurer Suggestivkraft, mit welcher Wucht jeder Krieg eine zivilisierte Welt in Barbarei und Chaos stürzen kann - aber auch, dass in jedem Chaos der Keim für einen Neubeginn steckt.

Der Marsch beschreibt den mühsamen Weg der 60.000 Mann starken Kolonne von Unionssoldaten, die sich im vierten und letzten Kriegsjahr des Amerikanischen Sezessionskriegs 1865 über Georgia und South Carolina nach Nord Carolina begibt. Angeführt von dem genialen Strategen William T. Sherman reißt der Marsch, der sich wie ein riesiger Fluss durch den am Boden liegenden Süden wälzt, Menschen mit sich, die in ihm den Tod finden oder an einen anderen Ort gespült werden, in der Hoffnung, dort ein neues Leben zu beginnen. Die Schicksale, denen wir begegnen, sind unterschiedlichster Natur, ehemalige Sklaven, unverbesserliche Südstaatler, aristokratisch anmutende Südstaaatenladies und zerlumpte Soldaten, sie prallen in dem Mikrokosmos des Marsches aufeinander, ihre Wege kreuzen und verlieren sich oder sind durch einzelne Ereignisse unwiederbringlich miteinander verwoben.
E.L. Doctorow schreibt in einer nüchternen Sprache, die unter die Haut geht und die noch lange nachwirkt. Keine seiner Personen wird im Vorhinein verurteilt, über jeden kann sich der Leser sein eigenes Bild machen und muss auf eindringliche Weise erfahren, dass es niemals nur Gut und Böse gibt, dass es unabhängig von Hautfarbe, Uniform oder gesellschaftlicher Stellung immer nur um Menschen geht, die versuchen, in unmenschlichen Zeiten zu überleben. Einigen gelingt es, doch alle Beteiligte sind Opfer und ein möglicher neuer Anfang erscheint wie ein zartes Pflänzchen, das vom nächsten Kanonendonner für immer zerstört werden kann. Die zahlreichen Personen begleitet man in wechselnder Folge auf ihrem Marsch, so dass es am Anfang nicht ganz einfach ist, sie auseinander zu halten, hier empfiehlt es sich - zumindest für den Beginn - eine Personenliste anzulegen. Wenn man jedoch einen Überblick über die Figuren bekommen hat, möchte man sich gar nicht mehr von ihnen trennen, so eindringlich gelangen sie in das Leserbewusstsein. Dort sind sie noch über die letzte Seite hinaus verhaftet, sie, die als Beispiele für das Leid einer ganzen Nation stehen und die gesamte Grausamkeit des Krieges, aber auch die nie versiegende Hoffnung auf Frieden und ein besseres Leben auf so plastische Art und Weise darstellen.

Wo kein Zeuge ist - Elizabeth George

zeugeEin Teenager wird tot auf einem Grabstein in London aufgefunden - alles scheint auf einen Ritualmord hinzuweisen. Als man Thomas Lynley und Barbara Havers von New Scotland Yard den Fall überträgt, ist soeben klar geworden, dass ein brutaler Serienmörder bereits sein viertes Opfer gefunden hat. Brisant ist, dass die ersten drei Opfer alle dunkler Hautfarbe waren. Doch warum reagiert die Polizei erst jetzt? Rassendiskriminierung, so lautet der Aufschrei der empörten Öffentlichkeit. Die forensischen Untersuchungen lassen keinen Zweifel: alle Morde tragen dieselbe Handschrift. Welche Gemeinsamkeit verbindet aber die Opfer? Barbara Havers, degradiert wegen eigenmächtigen Handelns, stößt auf eine erste heiße Spur. Doch der Tod eines fünften Jungen weicht vom Muster ab. Waren Lynley und Havers auf der falschen Fährte? Hat der Killer seinen modus operandi verändert - oder hat ein Nachahmungstäter zugeschlagen? Trotz fieberhafter Ermittlungen kann die Polizei den verstörenden Verlauf des Falles nicht verhindern. Und Lynley wird mit der größten persönlichen Tragödie seines Lebens konfrontiert …

Meine Rezension folgt in Kürze.

Mord im Grandhotel - Rita Hampp

Mord im Grandhotel Schicksalsschlag für die liebenswürdige Marie-Luise Campenhausen: Ihr Lieblingsneffe Raphael Wittemann, ein reicher Bauunternehmer aus Frankfurt/Main, ertrinkt während des traditionellen Oldtimermeetings im Luxuspool von Brenner’s-Parkhotel, dem ältesten der Fünf-Sterne-Häuser Baden-Badens. Für die Ärzte ist es natürlicher Herztod, für Marie-Luise kann es aber nur Mord gewesen sein. Denn ist es nicht höchst verdächtig, dass Raphael in seinem Zimmer drei Millionen Euro in bar aufbewahrte? Oder dass seine unangenehme Ex-Verlobte lügt und ein sonderbares Interesse an einem bis heute ungelösten Baden-Badener Mordfall zeigt? Kurz entschlossen alarmiert die alte Dame ihre Freunde, die Gerichtsreporterin Lea Weidenbach und Kriminalhauptkommissar Maximilian Gottlieb. Diese finden schon bald weitere Personen, die Grund genug gehabt hatten, Raphael Wittemann den Tod zu wünschen. Die dramatischen Nachforschungen bringen sowohl Lea als auch Frau Campenhausen in größte Gefahr und Gottlieb in irritierende Gefühlswallungen.

4 neue Rezensionen

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Der Wald ist Schweigen - Gisa Klönne
Der Krimi überzeugt vor allem durch die besonders gelungene Charaktersierung der auftretenden Personen, Gisa Klönne schafft hier die perfekte Balance zwischen Einfühlsamkeit und harter Realität, zwischen Hoffnung und Melancholie, zwischen Licht und Schatten im ganz normalen Leben. […] Ein spannendes Debüt für alle Krimifans, denen zwischenmenschliche Tragödien und Sehnsüchte wichtiger sind als blutiges Gemetzel.
Note: 1

Ansichten eines Clowns - Heinrich Böll
Die Ansichten eines Clowns sind hier menschlicher und ehrlicher als die der vermeintlichen Gutmenschen, die in Komitees, Räten und Kommissionen für eine gut gemeinte (und als solche verkaufte) Sache kämpfen. Und sie haben einen Eindruck hinterlassen, einen tiefen, traurigen, bedrückenden Nachgeschmack, der dennoch nicht verzweifeln lässt, sondern Hoffnung schenkt angesichts dieser ehrlichen Liebe, die sich nicht durch die großen, sondern die kleinen, leisen und vielleicht leicht zu übersehenden Gesten auszeichnet.
Note: 2

Dshamilja - Tschingis Aitmatow
Eine Momentaufnahme, die viele Details enthält und trotzdem wie ein punktuelles Gesamtbild wirkt, bei dem es noch viel mehr zu entdecken und zu erzählen gäbe. Schade, dass die Geschichte von Dshamilja nur 81 Seiten hat, aber schön, dass so viel Platz bleibt, die eigenen Gedanken in die weiten Ebenen Kirgisistans schweifen zu lassen.
Note: 2

Das Haus der Spione - Nicole Vosseler
[…]Zwar ist “Das Haus der Spione” ein Jugendbuch, doch mit diesem Wissen auch für Erwachsene ein echtes Lesevergnügen, da die Figuren - historische wie fiktive - so lebendig beschrieben sind, dass man zu keinem Zeitpunkt an den hier beschriebenen (und natürlich und gottseidank nicht alle belegten) Ereignissen zweifelt. Die Begegnung mit historischen Persönlichkeiten ist erfrischend und spannend, trägt doch jede von ihnen zu der Geschichte um den Hauptcharakter bei, und vervollständigt so das Bild einer lebendigen und spannenden Epoche.[…]
Note: 1

Rezension: Die Maske des Bösen (Robert Wilson)

Die Maske des Bösen Angst herrscht in Sevilla, denn eine Bombenexplosion hat mehrere Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Viele Tote und Verletzte - vor allem Kinder - sind als Opfer des Anschlags zu beklagen. Presse und Öffentlichkeit gehen sofort von einem islamistischen Terrorakt aus, doch Inspektor Javier Falcón zweifelt daran. Seine Gedanken kreisen immerzu um die furchtbar verstümmelte Leiche, die am Tag vor der Explosion auf einer Mülldeponie entdeckt wurde. Die zeitliche Nähe des augenscheinlichen Ritualmords und der Detonation ist für Falcón kein Zufall. Und als er den Toten schließlich identifizieren kann, bestätigt sich sein Verdacht. Die neue Spur führt ihn zu den Hintermännern eines infamen Komplotts, die hinter der Maske von Reichtum, Wohlwollen und Anständigkeit nur ein Ziel kennen: ungeteilte Macht - um jeden Preis.

„Die Maske des Bösen“ ist der dritte Fall für Inspektor Javier Falcon aus Sevilla und vielleicht liegt es daran, dass ich mit der Vielzahl der auftretenden Personen und Organisationen über weite Strecken des Buches hinweg schlicht überfordert war. Eine Einführung der Charaktere findet allerhöchstens in einem Nebensatz statt, so dass ich nicht zu beurteilen vermag, ob eine Verwirrung hierüber beabsichtigt ist oder aber mit den Vorkenntnissen aus den ersten beiden Krimis um Falcon längst nicht so groß ist. Auch die vielen Anspielungen auf die private Vergangenheit des Inspektors und seine Familienverhältnisse sind für Leser mit Vorkenntnissen vielleicht ausreichend, für Einsteiger in die Serie jedoch einfach nicht genug, um sich ein Bild zu machen und ein Gefühl für die Figuren zu bekommen. Leider hat diese Tatsache mein Lesevergnügen deutlich geschmälert, obwohl ich die Idee, einen terroristischen Anschlag in einem Krimi zu verarbeiten aufgrund seiner Aktualität und Realität sehr interessant finde. Wie Wilson diese Idee im Rahmen der detaillierten Ermittlungsarbeit aufarbeitet und wer sich dahinter verbirgt und das alles vor dem Hintergrund des sommerlichen Sevillas ist durchaus gelungen, doch die Erkenntnis des Inspektors, die letztendlich zur Auflösung des Falls führt, ist zum einen mehr oder weniger Kommissar Zufall oder besser gesagt einem Geistesblitz zu verdanken, der sich für den Leser nicht angekündigt hat, was ich nicht besonders schätze und zum anderen ist sie zudem noch etwas verwirrend und hätte gut noch weitere Erklärungen vertragen können.
Für mich war „Die Maske des Bösen“ leider eine Enttäuschung, wobei ich mir vorstellen kann, dass Fans des Ermittlers Falcon dies ganz anders beurteilen.

Das Haus der Spione - Nicole C. Vosseler

Das Haus der Spione England, 1582. Zwei Königinnen streiten um die Macht im Land, nur eine kann siegen. Zwei Spione arbeiten gegen die Zeit, einer von ihnen ist noch ein Kind. Der Waisenjunge Nicholas Christchurch hätte sich nie träumen lassen, dass er eines Tages als Gehilfe im Haus des berühmten Magiers von Mortlake Aufnahme finden würde, geschweige denn, dass er dort zum Spion ausgebildet werden würde. Zum Spion im Dienste der Königin. Und seine Aufgabe ist keine leichte: Kann ein Kind die Krone retten?
Meine Rezension folgt in Kürze.

An dieser Stelle einen lieben Gruß an die Büchereulen, bei denen ab heute die Leserunde mit Nicole C. Vosseler zu diesem Buch läuft!!