Rezension: Frisch - Mark McNay
Zwei Brüder, Archie und Sean - und Maggie, Seans Frau. Royston, ein Stadtteil von Glasgow, ein so genannter sozialer Brennpunkt. Eine Hühnerverarbeitungsfabrik, in der Sean sein Auskommen hat, durch harte, ehrliche Arbeit. Archie hingegen, der Ältere, ist schon früh auf die schiefe Bahn gedriftet. Sean hasst den Bruder für seine Grobheit, die Unverfrorenheit, mit der der sich nimmt, was er haben will, aber dass Archie sich schon als Kind in der Schule für ihn geprügelt hat, damals, als sie gerade ihre Mutter verloren hatten, das vergisst er ihm nie. Und als er sich von den 1000 Pfund, die Archie bei ihm “hinterlegt” hat, 700 “ausleiht”, damit die Tochter ins Schullandheim fahren kann und Sean selbst vielleicht beim Pferderennen gewinnt, da ahnt er nicht, dass diese kleine Verfehlung sein Leben für immer verändern wird …
Eigentlich ist die Geschichte ganz einfach: Zwei Brüder aus sozial benachteiligter Schicht versuchen, aus ihrem Leben etwas zu machen. Der ältere auf illegalem, der jüngere auf legalem Weg. Wir begleiten den jüngeren Bruder Sean einen Tag lang und erfahren an diesem Tag doch sein ganzes Leben. In Rückblicken lässt er uns an entscheidenden oder persönlich bedeutsamen Momenten teilhaben, die nicht nur zu seiner jetzigen Situation, sondern auch zu den Ereignissen geführt haben, die dieser Tag noch bereithält. Eigentlich ist auch die Sprache ganz einfach: Hier wird nicht viel drum herum geredet; direkt, hart, schmutzig – so ist das Leben und so sprechen die Menschen, hier in Royston, einem sozialen Brennpunkt von Glasgow.
Und doch ist das Buch nicht einfach und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Rein formal verlangt es dem verwöhnten Leser einige Konzentration ab, denn die fehlenden Anführungszeichen und Apostrophs sorgen für allerlei Verwirrung, so dass oftmals nur unter Mühen erkannt werden kann, wer was wann sagt. Im Laufe der Geschichte gewöhnt man sich jedoch daran, wären da nicht die ständigen Zeitsprünge in die Vergangenheit, die nur dadurch zu erkennen sind, dass sie aus der Ich-Perspektive von Sean erzählt werden, während es in der Gegenwart ein auktorialer Erzähler ist. Doch Sean erinnert sich im Laufe der Geschichte nicht nur an Episoden aus seiner Vergangenheit, sondern verfängt sich des öfteren auch in Tagträumereien, die seinem eintönigen Leben ein wenig Farbe verleihen mögen, aber mich während des Lesens doch immer wieder irritierten.
Dennoch schafft es McNay, die triste Atmosphäre heraufzubeschwören, die den öden Alltag eines Fabrikarbeiters, der davon träumt, weitab von den kriminellen Machenschaften seines Bruders, mit seiner kleinen Familie ein neues Leben zu beginnen, sehr gut und authentisch abbildet. Die Momente, in denen man mit Sean mitfühlt und tatsächlich an seinem Leben teilnimmt, sind vorhanden, aber mir persönlich nicht häufig genug. Es gibt eine unüberbrückbare Distanz, die ich einfach nicht überwinden konnte, wobei ich nicht sagen kann, ob der Autor das beabsichtigt hat oder nicht. Einige gute Ansatzpunkte, die es wert gewesen wären, ihnen zu folgen (z.B. die Geschichte der Eltern oder die Beziehung zwischen Sean und seinem früheren besten Freund), wurden nur am Rande gestreift.
FAZIT: Eine Geschichte mit Potential, das meiner Meinung nach jedoch leider nicht voll ausgeschöpft wurde.



Es sollte ein entspannter Arbeitsurlaub werden: Christine (45) und Dorothea (40) wollen für ein paar Tage nach Norderney, um ihrer Freundin Marleen bei der Renovierung ihrer Kneipe zu helfen. Doch dann wird Christine von ihrer Mutter dazu verdonnert, ihren Vater mit in den Urlaub zu nehmen. Schon die Hinreise bringt die beiden Frauen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Denn Heinz (73) hat seine ganz eigene Sicht der Dinge. Kaum auf der Insel angekommen, übernimmt er auch sofort das Zepter auf der Baustelle. Es kommt für Christine jedoch noch schlimmer, als Papa Gisbert von Meyer kennenlernt. Der frettchengleiche Inselreporter ist ihm sofort sympathisch, bekommt er doch billige HSV-Karten und ist wie Papa ein großer Kenner des deutschen Schlagers. Folglich findet Heinz es auch ganz in Ordnung, dass der Schreiberling Christine aufs Heftigste umwirbt. Zumal ihm Meyer nicht so gefährlich erscheint wie Johann Thiess, der mysteriöse Gast in Marleens Pension, der Christine mit seinen sanften Augen völlig aus der Fassung bringt. Gisbert hat nämlich erfahren, dass die Polizei auf den Nordseeinseln nach einem Heiratsschwindler fahndet. Mithilfe von Papas neuen Freunden Carsten (72), Kali (75) und Onu (63) soll Johann zur Strecke gebracht werden…
Zwei arbeitslose Burschen, Kurt Sandweg und Waldemar Velte, suchten im Winter 1933 den Seeweg von Wuppertal nach Indien. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfielen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschossen. Auf der Flucht vor ihren Verfolgern kamen sie nicht sehr weit: In Basel verliebte Kurt Sandweg sich in die Schallplatten-Verkäuferin Dorly Schupp. Tag für Tag kauften er und sein Freund eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht war und der nächste Banküberfall nötig wurde. Abend für Abend gingen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie war die junge Sportartikelverkäuferin Marie Stifter, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers wurde und die sich entscheiden musste zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten.
