Es ist ein Auftrag, den Privatdetektiv Max Mingus nicht ablehnen kann: Zehn Millionen Dollar bietet ihm der Milliardär Allain Carver, wenn Max dessen Sohn findet. Von dem kleinen Charlie fehlt seit über drei Jahren jede Spur, und er ist nicht das einzige Kind, das auf Haiti verschwunden ist. In dem Land des Voodoo und der schwarzen Magie kursieren zahllose Geschichten über die mythische Figur des Mr. Clarinet, der seit dem 18. Jahrhundert Kinder auf der Insel stehlen soll. Doch die Wahrheit ist weit schockierender als die Legende - und die Gefahr zu kennen, heißt nicht, dass man den Morgen erleben wird…
Obwohl auf dem Cover von Nick Stones Debütroman „Voodoo“ der Begriff „Thriller“ abgedruckt ist, trifft er nur bedingt zu, denn es handelt sich zwar durchaus um einen spannenden Roman mit Elementen, die man auch in einem typischen Thriller findet, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf etwas anderem, nämlich dem Handlungsort Haiti. Die gebeutelte Insel, deren Bevölkerung einen tyrannischen Diktator nach dem anderen erdulden musste und zum größten Teil in unsäglicher Armut lebt, ist die wahre Hauptfigur des Romans. Doch nun zum menschlichen Protagonisten: Privatdetektiv Max Mingus, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er sieben Jahre wegen Totschlags einsaß, wird von seinem Auftraggeber genau dorthin geschickt, doch was er hier erlebt und erfährt, hätte er sich in seinem schlimmsten Albträumen nicht ausgemalt. Auf der Suche nach dem seit drei Jahren verschwundenen kleinen Jungen Charlie Carver taucht er ein in die fremdartige Welt Haitis, die sich zwischen Aberglauben und Überlebenswillen zu halten versucht und in der sich die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen sammeln. Zwischen dem Hungertod nahen Menschen begegnen wir UN-Truppen und US-Marines, nehmen an ekstatischen Voodoo-Zeremonien teil und erleben, wie Geld die Welt regiert und wie kaltblütig die Lebewesen sein können, die sich Menschen nennen. Max Mingus ist ein sympathischer Protagonist, gerade weil er nicht perfekt ist und das in Fragen, die moralisch durchaus diskussionswürdig sind, aber eben doch nachvollziehbar bleiben. Eine Figur mit Ecken und Kanten, die man gerne begleitet und über die man gerne noch mehr wissen möchte – es sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Ende trotz abgeschlossenem Fall geradezu nach einer Fortsetzung schreit, was mich sehr freuen würde!
Der Fall selbst, die Suche nach dem Kind und das, was Mingus im Laufe seiner Ermittlungen herausfindet bis hin zur Auflösung, ist mäßig bis solide Krimikost, die zwar nicht sehr originell, aber durchaus akzeptabel ist. Für mich persönlich war das aber auch gar nicht mehr so wichtig, die Figuren, Landschaften und Lebensumstände, die Stone hier beschreibt, entschädigen für die recht dürftig eingesetzten Überraschungseffekte in der Handlung und bieten ihrerseits genug Spannung für die, die sich auf eine Reise in ein völlig unbekanntes Land mit all seinen Problemen und Abgründen einlassen. Wer einen beinharten Thriller erwartet, wird vermutlich nicht bis zum Ende durchhalten, wer aber wie ich auch den „Mehrwert“ schätzt, der wird auch von „Voodoo“ gefesselt sein. Aufgrund meines Lesevergnügens werde ich den Namen des Autors aufmerksam im Auge behalten und hoffen, dass Max Mingus schon bald wieder im Einsatz ist!