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Rezension: Brennen sollst du – Peter Hardcastle

brennensollstdu

Die 21 in diesem Band vorliegenden Kurzgeschichten des Autors geben einen Überblick über sein literarisches Schaffen der letzten Jahre, die Bandbreite reicht dabei von der Krimi-Humoreske bis zur bitterbösen gesellschaftspolitischen Betrachtung moderner Arbeitswelten. Peter Hardcastle schont seine Leser nicht und bietet einen entlarvenden Blick hinter manch eine geschönte Fassade.

Kurzgeschichten und Erzählungen sind eine Kunst für sich, denn gerade hier kommt es aufgrund der nur wenigen Seiten darauf an, präzise zu erzählen und zugleich eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, die das Erzählte glaubwürdig macht. Genau das ist Peter Hardcastle auf überzeugende Weise in seinem neuen Erzählband “Brennen sollst du” gelungen.

In den insgesamt 21 Erzählungen, von denen die kürzeste gerade einmal 4 und die längste 18 Seiten hat, geht es um Mord und Totschlag, doch das auf so unterschiedliche Art und Weise, dass es dem Leser niemals langweilig wird, selbst wenn er mehrere Erzählungen nacheinander liest. Die in mehreren Erzählungen auftauchenden Protagonisten wie die beiden befreundeten Kommissare Walther Plattkowski aus Bielefeld und Léon Corbeau aus dem französischen Concarneau oder der etwas abgehalfterte Münchner Privatdetektiv Leo Wal haben mir besonders gut gefallen und sind mir trotz der Kürze fast schon ans Herz gewachsen.

Hardcastles Erzählungen zeichnen sich neben ihrer Präzision auch durch eine scharfe Prise Humor aus, der zuweilen leicht bissig und zuweilen fast makaber daherkommt und den Leser durchaus dazu bringen kann, dass ihm sein Lachen im Halse stecken bleibt. Somit ist der Erzählband “Brennen sollst du” subtile Tragikomik im Angesicht der Abgründe des menschlichen Wesens und den Tücken des Alltags – von mir deshalb eine eindeutige Leseempfehlung!

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Teuflisches Genie – Catherine Jinks
Zwischen skurrilen Gestalten und gefährlichen Plänen bahnt [die Geschichte] sich ihren Weg und wird schließlich zum richtigen Pageturner. Dabei bleiben einige Fragen, die bewusst oder unterschwellig gestellt werden, offen, was natürlich die Neugier auf die Folgebände erhöht.
Note: 2-3

Die Lagune des Löwen – Charlotte Thomas
Wer vor fast 1000 Seiten nicht zurückschreckt, der darf sich auf ein lebendiges und prall gefülltes Lesevergnügen in hochwertiger Ausstattung freuen, bei dem alle Emotionen in einem großen Spannungsbogen erlesen und erlebt werden dürfen. Für Liebhaber historischer Romane, die eine behutsame Erzählweise schätzen, bei der dennoch keine Fragen offen bleiben, ist “Die Lagune des Löwen” ein absolutes Muss!
Note: 1

Aktuell: Die Lagune des Löwen – Charlotte Thomas

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lagune

Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In den Gassen der Lagunenstadt begegnen sie einander zum ersten Mal – Laura, die vor den Nachstellungen ihrer Feinde flieht, und Antonio, der sich mit Diebstählen über Wasser hält. Von Anfang an fühlen sie sich trotz aller Gegensätze zueinander hingezogen. Und beide sind erfüllt von der Sehnsucht, Not und Armut hinter sich zu lassen. In den folgenden Jahren kreuzen sich Lauras und Antonios Wege immer wieder, und ihre Begegnungen sind geprägt von tödlichen Intrigen und verzehrender Leidenschaft. In der von Sinnenfreude überbordenden Lagunenstadt treffen sie auf Maskenträger und Meuchelmörder, Gaukler und Genies. Zwischen Licht und Schatten wandelnd, begeben sie sich auf abenteuerliche Streifzüge und trotzen verhängnisvollen Gefahren. Triumphe kennzeichnen ihren Lebensweg ebenso wie bittere Niederlagen, doch am Ende dieses wechselvollen Spiels gibt es für sie beide nur ein Ziel – den Sieg über ihre Vergangenheit.

Rezension: Die Astors – Katja Doubek

astorsSiebzehn Jahre alt und bettelarm war der deutsche Auswandererjunge Johann Jacob Astor, als er 1780 seine deutsche Heimat verließ. Als er starb, war er der reichste Mann New Yorks. Sein märchenhafter Aufstieg begründete eine Dynastie voller Glanz und Reichtum. Doch hinter den prächtigen Kulissen kämpften die Frauen der Astors um Prestige und Einfluss, spalteten Neid und Intrigen die Familie. Typisch der Bau des Astoria-Hotels, mit dem Johann Jacob Astor IV. unbedingt seinen Cousin mit dessen Waldorf-Hotel übertrumpfen wollte; das Ergebnis dieses familiären Konkurrenzdramas waren die beiden Hoteltürme des Waldorf-Astoria. Das stilechte Ende markiert die Titanic, mit der Johann Jacob Astor IV. 1912 unterging.

Das Waldorf-Astoria ist wohl jedem ein Begriff, doch die Geschichte dieses weltberühmten Hotels und seiner Besitzer war mir bis dato völlig unbekannt. Dank Katja Doubeks Biographie “Die Astors – Glanz und Elend einer legendären Gelddynastie” ist das jetzt anders, denn sie erzählt das Leben dieser glamourösen und legendären Familie auf unterhaltsame Weise über mehrere Generationen hinweg. Angefangen bei John Jacob Astor I., der als Metzgerssohn Ende des 18. Jahrhunderts aus Deutschland nach Amerika auswanderte, um dort sein Glück zu machen, bis zu den letzten lebenden Nackommen, verfolgt der Leser Aufstieg und Untergang der berühmten Dynastie. Nimmt das Leben John Jacob Astors I. sehr viel Raum ein, wird dieser mit zunehmender Verzweigung der Familie stetig geringer, was ein bisschen schade ist, denn ich hätte gerne an der ein oder anderen Stelle noch viel mehr über die Personen erfahren, insbesondere, wenn es gegen Ende des Buches geht. Spätestens dann erweist sich der im Innenteil abgedruckte Stammbaum der Familie als großes Plus und wertvolle Hilfe, da man die vielen John Jacob Astors und ihre ersten, zweiten und dritten Ehefrauen in der Kürze der Zeit nur schwer auseinanderhalten kann. Katja Doubek lässt eine vergangene Zeit wieder auferstehen und unterhält mit ihrem lebendigen Erzählstil, ohne ins Banale abzudriften. Die privaten und beruflichen Entwicklungen der einzelnen Familienmitglieder sind in den politischen, gesellschaftlichen und sozialen Hintergrund des Lebens zu der damaligen Zeit eingebettet, was mir sehr gut gefallen hat. Zur Vervollständigung des Lesevergnügens hätte ich mir Angaben zu den Quellen gewünscht, die die Autorin für ihre Recherche verwendet hat oder alternativ weiterführende Literaturhinweise, denn dank ihrer Biographie wird die Neugier geweckt, noch mehr über diese eigenwillige und unglaublich reiche Familie zu erfahren.

“Die Astors” ist eine spannende und interessante Biographie über eine Familie, deren Vermögen ins Unermessliche wuchs und sie aber nicht vor den Schicksalsschlägen zu schützen vermochte, mit denen auch die Normalsterblichen zu kämpfen haben.

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Das Todesspiel – Ngaio Marsh
Für alle, die Whodunits in guter alter britischer Tradition lieben und sich zudem an liebevoll überzeichneten Charakteren erfreuen, ist dieser Auftakt der berühmten Serie ein kurzweiliges Lesevergnügen.
Note: 2

Aktuell: Teuflisches Genie – Catherine Jinks

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Mit sieben Jahren lernt Cadel, wie man sich in Computernetzwerke hackt. Mit acht legt er schon ganze Städte lahm. Und mit vierzehn beginnt er seine Ausbildung am AXIS-Institut, wo Spionage, Sabotage und Giftmord auf dem Lehrplan stehen. Sein Ziel: eines Tages die Weltherrschaft an sich reißen und damit den Traum seines Vaters erfüllen, eines ebenso brillanten wie eiskalten Verbrechers. Da gibt es nur ein Problem: Cadel soll durch und durch böse sein – und ist eigentlich ein richtig netter Junge …

Meine Rezension folgt in Kürze.

Rezension: Die Wächterin – Bettina Darré

wächterinBingen im September 1179. Hildegard von Bingen, die charismatische Klostergründerin, liegt im Sterben. Mit gebrochener Stimme diktiert sie der Novizin Margarete ihre letzte große Vision. Von Engeln und Edelsteinen ist die Rede. Kaum ist die große Mystikerin begraben, schließen ihre sieben engsten Anhängerinnen einen Pakt. Sie wollen das geheime Wissen der Äbtissin bewahren – ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich begeben. Der Erzbischof von Mainz, dem das Wirken Hildegards immer schon ein Dorn im Auge war, will ihre Schriften konfiszieren, denn er glaubt, sie habe den Stein der Weisen gefunden. Die Novizin Margarete muss fliehen, doch schon bald sind ihr die Häscher des Erzbischofs auf den Fersen und eröffnen eine regelrechte Hexenjagd auf sie.

Hildegard von Bingen ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und noch heute wird sie von unzähligen Menschen als Heilerin und Theologin verehrt. Ein kleines Denkmal setzt ihr auch Autorin Bettina Darré, die in ihrem Debütroman “Die Wächterin” von den (fiktiven) Schwestern erzählt, die im Kloster der großen Hildegard lebten. Unter ihnen ist auch Schwester Margarete, die als Findelkind vor den Toren den Klosters gefunden und dort aufgezogen wurde. Sie ist die lebhafte, intelligente und komplexe Hauptfigur, deren Entwicklung von der etwas naiven, streng gläubigen Nonne zur selbstbewussten und eigenwilligen Frau sehr gut beschrieben wird. Zusammen mit ihren Mitschwestern hat sie eine Mission zu erfüllen, die sie großen Gefahren ausgesetzt wird und im Rahmen derer man viel über die politische Situation des späten 12. Jahrhunderts in Deutschland erfährt. Kaiser, Bischöfe und Grafen – sie alle haben ein persönliches Interesse an den Visionen der Hildegard von Bingen, die Margarete mit ihren Kolleginnen zu retten versucht. “Die Wächterin” ist ein flotter und spannender historischer Roman, der sich vor allem durch die glaubwürdigen Charaktere auszeichnet, die Darré zum Leben erweckt hat. Ob es Margarete gelingt, ihre Mission zu erfüllen, sei an dieser Stelle nicht verraten, doch das Ende der Geschichte fliegt so schnell herbei, dass es fast den Eindruck macht, dass hier noch eine Fortsetzung folgen könnte. Auch einige Fragen aus Nebenhandlungen und das Schicksal einiger Figuren sind offen geblieben, was diesen Eindruck noch verstärkt. Ich persönlich würde mir aus diesen Gründen eine Fortsetzung wünschen, denn es gibt noch einige vielversprechende Charaktere, die hier nur am Rande aufgetreten sind, und über die ich gerne mehr erfahren würde. “Die Wächterin” ist ein historisches Lesevergnügen, das sich zwar nicht vordergründig mit der Figur der Hildegard von Bingen auseinandersetzt, aber deren Weisheiten, Visionen und Gedanken sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Ein Buch, das Lust macht, sich mehr mit der großen Mystikerin und ihrem Leben zu beschäftigen!