Rezension: Brennen sollst du - Peter Hardcastle

Die 21 in diesem Band vorliegenden Kurzgeschichten des Autors geben einen Überblick über sein literarisches Schaffen der letzten Jahre, die Bandbreite reicht dabei von der Krimi-Humoreske bis zur bitterbösen gesellschaftspolitischen Betrachtung moderner Arbeitswelten. Peter Hardcastle schont seine Leser nicht und bietet einen entlarvenden Blick hinter manch eine geschönte Fassade.
Kurzgeschichten und Erzählungen sind eine Kunst für sich, denn gerade hier kommt es aufgrund der nur wenigen Seiten darauf an, präzise zu erzählen und zugleich eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, die das Erzählte glaubwürdig macht. Genau das ist Peter Hardcastle auf überzeugende Weise in seinem neuen Erzählband “Brennen sollst du” gelungen.
In den insgesamt 21 Erzählungen, von denen die kürzeste gerade einmal 4 und die längste 18 Seiten hat, geht es um Mord und Totschlag, doch das auf so unterschiedliche Art und Weise, dass es dem Leser niemals langweilig wird, selbst wenn er mehrere Erzählungen nacheinander liest. Die in mehreren Erzählungen auftauchenden Protagonisten wie die beiden befreundeten Kommissare Walther Plattkowski aus Bielefeld und Léon Corbeau aus dem französischen Concarneau oder der etwas abgehalfterte Münchner Privatdetektiv Leo Wal haben mir besonders gut gefallen und sind mir trotz der Kürze fast schon ans Herz gewachsen.
Hardcastles Erzählungen zeichnen sich neben ihrer Präzision auch durch eine scharfe Prise Humor aus, der zuweilen leicht bissig und zuweilen fast makaber daherkommt und den Leser durchaus dazu bringen kann, dass ihm sein Lachen im Halse stecken bleibt. Somit ist der Erzählband “Brennen sollst du” subtile Tragikomik im Angesicht der Abgründe des menschlichen Wesens und den Tücken des Alltags - von mir deshalb eine eindeutige Leseempfehlung!



Siebzehn Jahre alt und bettelarm war der deutsche Auswandererjunge Johann Jacob Astor, als er 1780 seine deutsche Heimat verließ. Als er starb, war er der reichste Mann New Yorks. Sein märchenhafter Aufstieg begründete eine Dynastie voller Glanz und Reichtum. Doch hinter den prächtigen Kulissen kämpften die Frauen der Astors um Prestige und Einfluss, spalteten Neid und Intrigen die Familie. Typisch der Bau des Astoria-Hotels, mit dem Johann Jacob Astor IV. unbedingt seinen Cousin mit dessen Waldorf-Hotel übertrumpfen wollte; das Ergebnis dieses familiären Konkurrenzdramas waren die beiden Hoteltürme des Waldorf-Astoria. Das stilechte Ende markiert die Titanic, mit der Johann Jacob Astor IV. 1912 unterging.
Bingen im September 1179. Hildegard von Bingen, die charismatische Klostergründerin, liegt im Sterben. Mit gebrochener Stimme diktiert sie der Novizin Margarete ihre letzte große Vision. Von Engeln und Edelsteinen ist die Rede. Kaum ist die große Mystikerin begraben, schließen ihre sieben engsten Anhängerinnen einen Pakt. Sie wollen das geheime Wissen der Äbtissin bewahren - ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich begeben. Der Erzbischof von Mainz, dem das Wirken Hildegards immer schon ein Dorn im Auge war, will ihre Schriften konfiszieren, denn er glaubt, sie habe den Stein der Weisen gefunden. Die Novizin Margarete muss fliehen, doch schon bald sind ihr die Häscher des Erzbischofs auf den Fersen und eröffnen eine regelrechte Hexenjagd auf sie.