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Aktuell: Diverse Erzählungen von Edgar Allan Poe

Pünktlich zu Halloween gibt es eine Leserunde zu diversen Geschichten von Horror-Altmeister Edgar Allan Poe bei den Büchereulen. Es handelt sich dabei um:

  • Das verräterrische Herz
  • Der Mord in der Rue Morgue
  • Der Rabe (Gedicht)
  • Der Untergang des Hauses Usher
  • William Wilson

Rezension: Die Templer 01: Der Hüter des Grals – Michael P. Spradlin

Spradlin Templer01Der Waisenjunge Tristan führt bei den Mönchen in der Abtei St. Alban ein einfaches und von Arbeit erfülltes Leben. Doch das ändert sich schlagartig, nachdem ein Regiment der Templer in der Abtei Rast macht und der Ritter Sir Thomas Leux Tristan auffordert, sein Knappe zu werden. Seite an Seite mit Sir Thomas und Richard Löwenherz kämpft Tristan nun im Heiligen Land gegen die Sarazenen. Als die Niederlage kurz bevor steht, betraut Sir Thomas Tristan mit der wichtigsten Aufgabe seines Lebens: dem Schutz des Heiligen Grals…

Was für eine wunderbare Abenteuergeschichte! Sympathische Protagonisten, ein spannender historischer Hintergrund, einige bekannte Persönlichkeiten, ein Auftrag und jede Menge Humor – das sind die Zutaten, mit denen Michael P. Spradlin den ersten Band seiner Trilogie zubereitet hat und das ist ihm wahrlich gelungen. Obwohl es ein Kinder-/Jugendbuch ist, hat es mich sofort in den Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Apropos Ende: Das Buch hört wirklich MITTEN im Geschehen auf, und natürlich in einer überaus gefährlichen Situation – schön, dass die Geschichte in Ich-Form aus Sicht des jungen Tristan erzählt wird, so kann man zumindest sicher sein, dass er so lange leben wird, um seine Erlebnisse noch zu erzählen *g* … Was mich ungemein beruhigt hat, denn ich habe Tristan, Sir Thomas und auch so einige andere, denen Tristan auf seiner Mission begegnet, schon ins Herz geschlossen. Unter anderen trifft man hier völlig unerwartet auf alte Bekannte, aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, nur dass ich mich prächtig amüsiert habe bei der gelungenen Charaktersierung der Figuren. Für alle Fans von spannenden Abenteuergeschichten, gleich welchen Alters, kann ich diesen vielversprechenden Auftakt einer neuen Trilogie nur empfehlen! Wer eine in sich abgeschlossene Geschichte bevorzugt, sollte warten, bis die anderen beiden Teile erschienen sind. So oder so sollte man sich dieses Abenteuer aber nicht entgehen lassen!

Aktuell: DIie Wächter der Teufelsbibel – Richard Dübell

WächterTeufelsbibel

Die lang ersehnte Fortsetzung zu “Die Teufelsbibel“!

In der Leserunde mit Autor bei den Büchereulen:

Nach dem Tod Kaiser Rudolphs II. dringen Plünderer in die Prager Burg ein und stehlen das gefährlichste Buch seiner Zeit – die Teufelsbibel. Wenig später geschehen im Namen des Satans unheimliche Dinge im Land, und die düsteren Legenden um eine alte Burg in den mährischen Hügeln erwachen zum Leben. Menschen begehen barbarische Verbrechen und berichten, dass sie den Teufel lachen und tanzen gesehen haben…

Meine Rezension folgt in Kürze.

Rezension: Die Tigerfrau – Christophe Ono-dit-Biot

TigerfrauImposante, von der tropischen Vegetation zerfressene Kolonialfassaden, ein Luxushotel, die Marktstände des Scott Market, Offiziere mit Schirmmützen, Mönche in purpurfarbenen Gewändern und über allem die Shwedagon-Pagode mit ihrem riesigen goldüberzogenen Stupa: Vom ersten Augenblick an nimmt das exotische Flair von Rangun den Besucher gefangen. César aber ist hier, um endlich selbst einmal eine große Story zu erleben: Er jagt dem Warlord und Opiumhändler Khun Sa nach, der sich im Bergdorf seines Großvaters niedergelassen haben soll und sich als Vorkämpfer für die Unabhängigkeit der Shan-Minderheit geriert. Schon lange ist kein Journalist mehr zu Khun Sa vorgedrungen. César weiß, dass auch er es allein niemals schaffen kann, und so vertraut er sich Julie an, die schon seit Jahren hier lebt und die in ihm romantische Gefühle weckt. Doch die große Zeit des Warlords ist längst vorbei, und so bringt Julie ihn auf die Spur einer Rebellin und Schamanin, die jenseits des Dschungels in den Bergen lebt und die der Junta wirklich gefährlich werden könnte. César soll sie nicht nur im Westen bekannt machen, er soll ihr auch einen wertvollen Rubin überbringen.

Birma, oder Myanmar, wie es jetzt heißt, war für mich bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte – außer den Namen wusste ich nichts über dieses Land. Mit der Lektüre “Die Tigerfrau” hat sich das geändert: Es ist ein eindringliches Leseerlebnis, das die Faszination dieser unglaublich ursprünglichen und überbordenden Landschaft ebenso nachdrücklich schildert wie die brutale Willkür der Militärjunta und das Leiden der Menschen, die in größter Armut leben und mit Drogen und Prostitution versuchen zu überleben. Mit dem Journalisten César, stets im Schatten seines berühmten Kollegen, hat Ono-dit-Biot, eine interessante Hauptfigur geschaffen, einen typischen Westeuropäer, der inmitten des Konsums sich selbst verloren hat und versucht, aus seinem tristen Dasein – zuerst beruflich, dann privat – auszubrechen. Ihn nimmt die pulsierende Exotik Birmas ebenso gefangen wie den Leser, der zwischen Faszination und Entsetzen das Geschehen verfolgt. Ono-dit-Biots Stil ist kraftvoll und lebendig, jedes Detail stimmt. “Die Tigerfrau” einzuordnen fällt mir schwer, der Roman hat von allem etwas und trotzdem (oder gerade deshalb?) funktioniert er wunderbar. Ich schließe mich deshalb “Le Monde” an, die schreibt: “Es ist zugleich Abenteuer-, Bildungs-, Reise- und Liebesroman.” Und zwar einer, den ich trotz kleiner Abzüge wegen dem abrupten Ende, bedenkenlos allen empfehlen kann, die auf spannende Weise mehr von diesem Birma oder Myanmar und der Armut seiner Menschen und dem Reichtum seiner Kultur und Natur erfahren möchten.

Rezension: Deine Juliet – Mary Ann Shaffer

DeineJuliet

Eines Tages erhält die Schriftstellerin Juliet, die in den späten vierziger Jahren in London lebt, einen erstaunlichen Brief. Absender ist Dawsey Adams, ein Bauer von der Kanalinsel Guernsey, der antiquarisch ein Buch erworben hat, das zuvor ihr gehörte. Da ihre Adresse vorn im Buch steht, wendet er sich an sie, um mehr über den Autor zu erfahren, der ihn fasziniert. Zwischen der Literatin und dem Bauern entspinnt sich ein anrührender Briefwechsel, durch den Juliet von der Existenz der Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society erfährt, einer literarischen Gesellschaft, die die Inselbewohner ungeübte Leser gründeten, um sich über die schwere Kriegszeit hinwegzuhelfen. Je mehr Juliet über Dawsey und die anderen erfährt, desto mehr wünscht sie sich sie zu treffen. Sie beschließt, auf die Insel zu reisen. Dort stößt sie auf die Geschichte von Elizabeth, einem verschollenen Mitglied der Literarischen Gesellschaft, und ihre große Liebe zu einem deutschen Offizier. Und sie lernt Dawsey kennen.

Selten habe ich so ein warmherziges Buch gelesen, das, obwohl in Briefform geschrieben, alle Figuren so lebendig werden lässt, dass man mit dem Zuklappen der letzten Seite meint, Abschied von guten Freunden gewonnen zu haben. Den Wunsch, sofort nach Guernsey zu fahren und alle lieben Menschen in natura sehen zu wollen, hinterlässt dieser zauberhafte Roman ebenso wie ein warmes Gefühl von Geborgenheit und Zuhause. Es mag erstaunlich sein, dass obwohl die Handlung im Jahr 1946 spielt und auch Guernsey vom Zweiten Weltkrieg mit all seinem Elend nicht verschont blieb, so viel Lebensfreude, Humor und positive Emotionen aus den Seiten strömen. Und doch beschönigt Autorin Mary Ann Shaffer nichts, auch die dunkelsten Kapitel dieser Zeit finden in ihrer Geschichte Berücksichtigung. Trotz allen Schreckens, der hier von einem hierzulande völlig unbekannten Fleckchen Erde und seinen Bewohnern offenbart wird, ist es eine Geschichte der Hoffnung, des Neuanfangs und der Liebe – so leicht und wärmend erzählt wie ein Frühsommertag, den man die ganze Zeit mit einem Lächeln begleitet.

1 neue Rezension

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Der Himmel aus Bronze: Die Steine des Gorr von Viola Alvarez
Alle auftretenden Figuren sind lebendig und komplex, manchmal schwierig einzuordnen, aber immer authentisch. Auf diesem ersten Stück seiner Reise lernt Hayso viel über sich und das Leben – was er mit diesen Erkenntnissen anstellt, werden wir im zweiten Teil erfahren, den ich kaum erwarten kann, zu lesen. Ein fesselndes Lesevergnügen, für das man sich Zeit nehmen sollte, um die unzähligen wunderschönen Sätze genießen zu können.
Note: 1

Rezension: Das Gesetz der Ehre – Gianrico Carofiglio

Carofiglio GesetzderEhreAls Avvocato Guerrieri seinem neuen Mandanten zum ersten Mal im Gefängnis begegnet, verschlägt es ihm den Atem: Denn vor ihm sitzt niemand anders als Fabio Paolicelli, der Intimfeind seiner Jugendtage. Aus dem gewaltbereiten Teenager, der als Rädelsführer einer Jugendgang in Bari von sich reden machte, ist mittlerweile ein braver Familienvater geworden. Mit dem vorgeworfenen Drogenschmuggel habe er nichts zu tun, beteuert er. Ob Guerrieri seinem Mandanten glauben kann, weiß er nicht. Seine Verwirrung steigert sich noch, als er Natsu kennenlernt, die schöne Ehefrau Paolicellis, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Weil Natsu seine Gefühle erwidert, steht Guerrieris Entschluss fest: Er wird Paolicelli verteidigen. Auch wenn er dabei alles andere als redliche Motive verfolgt…

In diesem Kriminalroman fließt nicht ein Tropfen Blut und auch der neue Fall von Anwalt Guerrieri ist nicht besonders spektakulär: Ein Mann wird mit einer großen Menge Kokain im Auto erwischt, als er die Grenze nach Italien überquert. Dennoch gelingt es Carofiglio trotz oder vielleicht gerade durch seine unaufdringliche Art zu erzählen, von Beginn an, Spannung aufzubauen und diese auch bis zum Ende zu halten. Das liegt zum einen daran, dass Guerrieri seinen Mandanten aus Jugendtagen kennt und ihn nicht gerade in bester Erinnerung hat. Der jedoch erkennt ihn nicht wieder. Zu verfolgen, ob Guerrieri seinen Prinzipien treu bleibt, oder doch seinen Rachegefühlen und -gedanken nachgibt, die ihn seit Jahrzehnten begleiten, ist eines der großes Themen des Romans, zu denen auch Einsamkeit, Sehnsucht und wie in den anderen Carofiglio-Romanen zuvor auch Recht und Gerechtigkeit, auch abseits der Wahrheit, gehören. “Das Gesetz der Ehre” ist ein leiser, angenehm erzählter Gerichtskrimi, der von dem Fachwissen des Autors und seiner bewundernswerten Fähigkeit lebt, dem Leser die Welt der Justiz ebenso nahezubringen wie seine lebendigen Figuren und deren nur allzu menschlichen Motive.