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Endlich: Nestor Burma 1&2 von Léo Malet

Malet 120120, rue de la Gare von Léo Malet [Krimi/Thriller]

Band 1 der Nestor Burma-Reihe

In einem Lager der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg begegnet Privatdetektiv Nestor Burma einem sterbenden Gefangenen, dessen letzte Worte eine Adresse sind. Einige Zeit später trifft er auf dem Bahnsteig von Lyon seinen ehemaligen Mitarbeiter Colomer, der in diesem Moment erschossen wird; als letztes nennt er dieselbe Adresse.

 

Malet Klemme

 

Nestor Burma in der Klemme von Léo Malet [Krimi/Thriller]

Band 2 der Nestor Burma-Reihe

Wäre der Privatdetektiv Nestor Burma nicht so wild auf Pfeifentabak gewesen, wäre er wohl kaum in diese Geschichte verwickelt worden. So aber macht er sich an einem Frühlingstag des Jahres 1942 im besetzten Paris auf die Suche nach Tabak, lernt die hübsche Lydia kennen und entdeckt die erste Leiche.

Rezension: Königin der Meere - Katja Doubek

Doubek KöniginMeere

Genre: historischer Roman

Die wahre Geschichte der Piratin Anne Bonny: Geboren 1700 in Irland und mit ihren Eltern nach South Carolina ausgewandert, ist Anne schon als Kind ein Wildfang, lernt reiten und fechten. Ohne Wissen der Eltern heiratet sie. Doch ihr Liebster ist ein Nichtsnutz, und sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Als Mann verkleidet heuert sie auf einem Piratenschiff an. Durch Annes Geschick machen die Seeräuber mehr Beute denn je. Und als sie sich als Frau zu erkennen gibt, hält dies die Piraten nicht davon ab, Anne zum Kapitän zu wählen. Nun lehrt sie mit unerschrockenen Raubzügen die Männerwelt der Karibik das Fürchten. Selbst als sie gefasst wird, findet sie einen Ausweg…

Mit “Königin der Meere” hat Katja Doubek eindrucksvoll bewiesen, dass sie nicht nur interessante Biographien, sondern auch ebenso spannende Romane schreiben kann. Auch in diesem Buch ist die Hauptfigur eine historische Persönlichkeit: Anne Bonny, die Anfang des 18. Jahrhunderts die Karibik auf Piratenschiffen unsicher machte. Von Beginn an verfällt man nicht nur der lebendigen Erzählweise Doubeks, sondern auch der sympathischen Anne, die der Leser schon als Kind kennenlernt und mehrere Jahre lang auf ihren Abenteuern begleitet. Doubek romantisiert das Piratenleben nicht, beschreibt ebenso die Gefahren, die das Leben auf See mit sich bringt, und doch bleibt die Faszination, die das Piratentum für uns heute (nicht zuletzt durch Hollywood-Produktionen) hat, erhalten. Ob Anne Bonny wie in Katja Doubeks Roman tatsächlich eine Frau ohne Furcht und Tadel war und wieviel der hier erzählten Ereignisse auf überlieferte Quellen zurückzuführen und was der Fantasie der Autorin zuzuschreiben ist, lässt sich aus Laiensicht nicht beurteilen. Hier hätte ein ausführlicheres Nachwort einige Fragen beantworten können. Doch egal wie historisch “korrekt” die Details in der Geschichte der “Königin der Meere” auch sein mag, mit diesem Roman erhält man nicht nur einen spannenden Einblick in das Piratentum der Karibik in seiner Blütezeit, sondern Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite, was nicht zuletzt auf die erfrischend lebendige Erzählweise zurückzuführen ist!

Bewertung: 9/10 Punkte

1 neue Rezension

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Der russische Freund - Kajsa Ingemarsson [Krimi/Thriller]
[…] Man merkt, dass die Autorin sonst in der Belletristik oder bei den Liebesromanen zuhause ist, es werden einige Klischees strapaziert, die für diese Geschichte hier nicht nötig gewesen wären. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn die politischen Aspekte in den Mittelpunkt gerückt worden wären, aber das ist wohl Geschmackssache. Schließlich hat die Autorin aber doch noch die Kurve bekommen und die durchaus bedenkliche Botschaft über die Machenschaften in der internationalen Politik bleibt im Gedächtnis.
Bewertung: 7/10 Punkte

Rezension: Das Ministerium für besondere Fälle - Nathan Englander

Englander MinisteriumGenre: Zeitgenössisches

Auf dem alten jüdischen Friedhof von Buenos Aires, durch eine hohe Mauer vom respektablen Rest getrennt, liegen Zuhälter, Ganoven und Huren begraben. Kaddisch Poznan, selbst Jude und Sohn einer Hure, profitiert von der Scham der Nachkommen, denn gegen ein Handgeld meißelt er nachts die Namen von den Grabsteinen. Sein Sohn Pato verachtet ihn deswegen. Anstatt ihm zu helfen, geht er lieber in Diskos und träumt mit seinen Freunden, den Joint in den Fingern, von der Weltrevolution. Kaddischs Frau Lillian sorgt mit ihrem Job bei einer Versicherungsagentur für den Unterhalt der Familie, obwohl sie sich ihr Leben anders vorgestellt hat. Im Buenos Aires der siebziger Jahre boomt das Versicherungsgewerbe, da zu viel Unwägbares passiert: Die argentinische Militärdiktatur führt einen “Schmutzigen Krieg” gegen die eigene Bevölkerung, in dem Tausende von Unschuldigen spurlos verschwinden. Eines Tages geschieht dann genau das, was Kaddisch und Lillian um jeden Preis verhindern wollten: Pato wird von Männern in grauen Anzügen abgeholt. Und für die beiden beginnt eine lange, immer absurdere Suche nach dem verlorenen Sohn, die stets zu dem rosa Gebäude an der Plaza Mayor führt, dem Ministerium für besondere Fälle …

Den Einstieg in das Buch zu finden ist nicht ganz leicht, zu fremd erscheinen die hier beschriebenen Figuren und ihre Handlungen. Ein Mann, der seinen Lebensunterhalt mit dem heimlichen Entfernen von Namen von Grabsteinen verdient ist ebenso weit von unserem Alltag entfernt wie die Tatsache, dass Dutzende unschuldige Menschen von der herrschenden Militärjunta abgeholt werden und spurlos verschwinden. Genau das ist die Situation in Argentinien 1976, in der die Geschichte um die jüdische Familie Kaddisch, Lillian und Pablo spielt.
Wenn man den sperrigen Beginn überwunden und sich auf die teils nüchterne, teils poetische Sprache, die Figuren und das Setting eingelassen hat, erwartet den Leser nichts weniger als eine tragische Familiengeschichte voller Schmerz, Liebe, Angst, Hoffnung und Verzweiflung, die auch die “normalen” Sorgen und Probleme (z.B. Vater-Sohn-Konflikt) einer jeden Familie aufgreift und so trotz der furchtbaren Umstände ein komplexes und umfassendes Bild entsteht. Nahezu über den ganzen Verlauf der Geschichte hinweg drängt sich der Eindruck der Skurrilität auf, die jedoch bei genauerem Hinsehen nicht zuletzt aus dem Schrecken und Wahnsinn entsteht, der hier beschrieben wird. Nur mit diesem Empfinden ist diese Geschichte, die beispielhaft für das reale Verschwinden Zehntausender unter der Militärherrschaft in den 70er Jahren in Argentinien steht, zu ertragen. Neben der Familie kommen auch andere Personen zu Wort, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem bestehenden System “arrangiert” haben und daraus so gut es geht ihren Nutzen ziehen oder zumindest ihr Überleben sichern. Inwiefern dies zu be- und/oder verurteilen ist, bleibt dem Leser überlassen.
Ein Roman, der sensibilisiert, sprachlos macht, zum Nachdenken und Recherchieren anregt. Ein Roman, der Hilflosigkeit und Mitgefühl angesichts des Schicksals dieser fiktiven Figuren erzeugt, die in ihrem Umfeld, ihrem Handeln und Empfinden trotz oder gerade wegen der tragikomischen Skurrilität letztlich so authentisch wirken, dass sie noch lange nachhallen und im Gedächtnis bleiben werden.

Bewertung: 8/10 Punkte