Rezension: Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao - Junot Diaz
Genre: Zeitgenössisches
Eine Familie zwischen den Welten und zwischen den Zeiten: Junot Díaz erzählt von dem liebenswürdigen Nerd Oscar und seiner toughen Schwester Lola. Beide sind in New Jersey groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Und dorthin verschlägt es sie immer wieder, wenn das Leben ihr mühsam zusammengekratztes Glück gerade wieder einmal wegwischt. Hier finden sie im Haus der Großtante Zuflucht - genauso wie ihre Mutter vor vielen Jahren, von deren düsterer Vergangenheit sie allerdings nichts ahnen. Dabei wirkt die Vergangenheit wie ein Fluch. In einem letzten, verzweifelten Akt riskiert Oscar eines Tages alles für sein Glück. Den Fluch zu bannen wird sein letztes Abenteuer.
“Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao” ist nicht nur die Geschichte von Oscar, einem übergewichtigen, Sci-Fi- und Comic-liebenden Nerd, wie er im Buche steht; es ist auch die Geschichte einer Familie und die Geschichte eines Landes, die der Dominikanischen Republik. Durch die ungewöhnliche Erzählweise der immer wechselnden Perspektiven aus verschiedenen Zeiten und der dabei eingesetzten unterschiedlichen Sprachnuancen, entsteht vor den Augen des Lesers ein kaleidoskopartiges Mosaik, das sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügt. So unterschiedlich die Figuren auch sein mögen, sie glauben, durch “fuku” (eine Art Fluch) belegt zu sein und tatsächlich haben alle ihr nicht minderschweres Schicksal zu erleiden, auch wenn das in vielen Fällen vor allem auf die politische Situation in der Dominikanischen Republik zurückzuführen ist. Diese wird im übrigen anhand von (teilweise halbseitig langen) Fußnoten erklärt, trotz der Tragik auf erstaunlich erfrischende, aber auch erschreckende Weise. Für jemanden wie mich, die sich mit der Geschichte der Dominikanischen Republik überhaupt nicht ausgekannt hat, eine wertvolle Hilfe, um die Ereignisse im Buch besser zu verstehen. Nichtdestotrotz enthält das Buch eine faszinierende Lebenskraft und -freude, die den Leser mit den Figuren mitleben, -leiden und -lieben lässt.
Einen Kritikpunkt möchte ich aber dennoch loswerden, der mich wirklich kolossal genervt hat und das sind die unzähligen spanischen Ausdrücke, die zwar in dem insgesamt 10 Seiten (!) langen Glossar übersetzt werden und deren Sinn sich manchmal auch aus dem Zusammenhang ergibt, aber teilweise in unerträglicher Häufung auftreten. Abgesehen von diesem Kritikpunkt, hat mich Junot Diaz mit seinem Oscar Wao berührt und gefesselt!
Bewertung: 8/10 Punkte



Genre: Zeitgenössisches