Rezension: Rattentanz – Michael Tietz

rattentanzGenre: Krimi/Thriller

An einem ganz normalen Frühlingsmorgen beginnt der globale Albtraum: Das weltweite Stromnetz bricht von einer Sekunde auf die andere zusammen. Sämtliche Kommunikationssysteme kollabieren, urplötzlich stürzen Flugzeuge vom Himmel, innerhalb von Stunden regieren Chaos, Gewalt und Anarchie. Es geht um das nackte Überleben in einer bis dahin unbekannten Welt – aber nur die wenigsten scheinen dieser Herausforderung gewachsen. Gibt es Hoffnung für die Menschheit oder werden am Ende nur die Ratten triumphieren?

Ein Endzeithriller aus deutscher Feder? Zugegeben, zunächst war ich skeptisch. Doch schon bald wurde die anfängliche Skepsis von Spannung, Begeisterung und einem wahren Lesesog abgelöst. Denn Michael Tietz gelingt es in seinem Debütroman (!) von der ersten Seite an seine Leser mit diesem fiktiven Albtraum zu fesseln, der – vielleicht gegen alle Wahrscheinlichkeit, aber – rein theoretisch doch in irgendeiner Form so geschehen könnte. Von einer Sekunde auf die andere wird buchstäblich nicht nur das Licht ausgeknipst und das überall auf der Welt und für lange Zeit. Sich die Folgen dieses Blackouts in einem kleinen Gedankenspiel auszumalen ist eine Sache, sie aber mit den Figuren des Romans zu erleben, eine andere.
Der große Knall lässt nicht lange auf sich warten und schon nach wenigen Seiten hat sich das Leben der Menschen und auf der Welt verändert, ab dann begleiten wir die Bewohner des kleinen Dörfchens Wellendingen im Schwarzwald (das es im übrigen tatsächlich gibt!) in ihrem täglichem Kampf ums Überleben. Doch die Schauplätze wechseln immer wieder und – eine der größten Stärken des Buchs – zeigen ausschnittartige Einblicke in das Leben völlig fremder und scheinbar willkürlich herausgepickter Personen, die alle eine eigene Geschichte haben. Selbst die Figuren, die in einer Verfilmung nur als Statisten eingesetzt werden würden, erhalten hier ein Gesicht und eine Persönlichkeit. Doch auch die Hauptfiguren des Buches sind sorgfältig ausgearbeitet und folgen – wie der Autor im Nachwort berichtet – ihrem eigenen Willen. Mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Figuren wird der Leser Teil ihrer Entwicklung, leidet, trauert, fürchtet sich mit ihnen ebenso wie er mit ihnen wächst und Verantwortung übernimmt. Diese Entwicklung und die Tatsache, dass die Figuren mit wenigen Ausnahmen in ihrem Handeln nicht schwarz oder weiß, sondern komplex und vielschichtig sind, hält den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite.
Mit angehaltenem Atem auf der letzten Seite angelangt bleibt die Gewissheit, diesen Thriller so schnell nicht zu vergessen und ein klitzekleines Gefühl des Unbehagens, ob nicht vielleicht doch irgendwann… Und was dann….

Bewertung: 10/10 Punkte

Rezension: Rattentanz – Michael Tietz wurde unter den folgenden Tags abgelegt:

Ein Kommentar


  1. KK 210: Michael Tietz - Rattentanz | Krimikiste schrieb am 15.Juli 2009:

    […] Mehr über das Buch beim Verlag. ++ Besprechungen in Millas Welt, dem Büchereule-Forum und der Badischen Zeitung. ++    Krimikiste #210 [8:38m]: Play […]

Kommentar abgeben: