Rezension: Strahlend schöner Morgen – James Frey

frey strahlendschönermorgenGenre: Zeitgenössisches

Dylan liebt Maddie und ist mit ihr unterwegs nach L.A., Stadt der Hoffnung so vieler Menschen auf eine bessere Zukunft. Die Filmstars Amberton und Casey sind nur zur Tarnung miteinander verheiratet und ständig auf der Suche nach Sex und Bewunderung. Esperanza aus Mexiko verdient ihr Geld im Haushalt einer tyrannischen Lady und verliebt sich in deren Sohn. Der Obdachlose Old Man Joe entdeckt seine Mitmenschlichkeit, als er ein drogensüchtiges Mädchen zusammengeschlagen hinter einer Mülltonne findet. Sie und viele andere Figuren, die im Vorübergehen den Weg des Lesers kreuzen, ergeben das fesselnde Bild einer sich ständig wandelnden Metropole, seit Generationen Verheißung und Moloch zugleich. In L.A., der eigentlichen Hauptfigur, spiegeln Fakten und Fiktion einander im Rhythmus von Geschichte und Gegenwart, von Illusion, Liebe und Gewalt.

Kein Film, keine TV-Dokumentation und kein Sachbuch, Bildband oder Reiseführer wird die Stadt Los Angeles so gut einfangen können wie James Frey in seinem Roman “Strahlend schöner Morgen”. Es ist ein Roman, wenn auch mit zahlreichen verschiedenen Handlungssträngen, die sich nie kreuzen, unzähligen Personen, die mit ihrer Geschichte oder aber auch nur mit ihren Daten, einem Ereignis aus ihrem Leben oder aus einem ganz anderen Grund, Teil von L.A. sind und damit Teil dieses Romans werden.
Manche Figuren begleiten den Leser das ganze Buch hindurch: der Obdachlose Old Man Joe, der eigentlich erst Ende 30 ist, aber über Nacht um 40 Jahre gealtert ist und aussieht wie über 70, die beiden Ausreißer Dylan und Maddie, die sich schon aus Kindertagen kennen und lieben, der Filmstar Amberton, der versucht mit seinem Geld und seiner Macht alle seine heimlichen Wünsche zu befriedigen und die Einwanderertochter Esperanza, deren Eltern alles tun, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Dazwischen werden immer wieder Fakten über L.A. berichtet, kleine Episoden von anderen (teilweise namenlosen) Personen erzählt, die Stadt unter einem bestimmten Gesichtspunkt beleuchtet und wie ein roter Faden zieht sich dank der kurzen Abschnitte vor jedem Kapitel die gesamte Geschichte von L.A. durch das Buch.
James Frey ist es auf beeindruckende Weise gelungen, ein komplexes Universum von L.A. zu schaffen, das aus schier unzähligen Facetten besteht, bei dem jedoch die Menschen, die hier leben, und ihre Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte im Mittelpunkt stehen. Los Angeles hat sie an die Westküste gelockt, in Los Angeles lagen ihre Träume und Los Angeles hat sie nicht mehr losgelassen – ganz gleich, ob ihre Träume sich erfüllt haben oder nicht.

“Ein strahlend schöner Morgen” ist der erbarmungslose Blick auf eine Stadt, die zwischen Extremen schwankt.
Es ist mehr als eine Ansammlung von Daten und Fakten.
Es ist ein Abgesang auf unerfüllte Träume.
Es ist die schönste Liebeserklärung an L.A. und an die Menschen, die hier leben.

Bewertung: 12/10 Punkte

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2 Kommentare


  1. Sarah schrieb am 12.April 2010:

    Wow, das klingt nach einem Buch, das mit leisen Tönen das Portrait einer Stadt zeichnet, die ich vor 3 Jahren einmal selber sehen durfte. Klingt genau nach einem Buch nach meinem Geschmack!

  2. Matthias schrieb am 14.April 2011:

    Scheint ein sehr interessantes Buch zu sein……….vielen dank für den Tipp

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