2 neue Rezensionen

Für die vollständige Rezension und weitere Infos einfach auf den Titel klicken!

Zwei Fremde im Zug – Patricia Highsmith [Krimi/Thriller]
[…] Ein subtiler Psychothriller, der seinen Gänsehautfaktor aus den Beschreibungen der menschlichen Psyche und ihrer Abgründe zieht und auch noch fast 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung nichts von seinem Reiz verloren hat – deshalb zu Recht ein Klassiker des Genres!
Bewertung: 9/10 Punkte

Die Kinder unseres Viertels – Nagib Machfus [Zeitgenössisches]
[…] Es ist kein klassischer Roman, erinnert vielmehr – und angesichts des Inhalt wohl nicht zufällig – an Geschichten aus der Bibel, dennoch fesselt er den Leser auf eine merkwürdige Art und Weise, die weniger aus den Handlungen und Personen selbst, sondern mehr aus den zahlreiche Parallelen, aber auch großen Unterschiede zur Religionsgeschichte hervorgeht. Letzten Endes dreht sich alles um die Frage, wie Menschen friedlich miteinander leben können und vor allem, wie dieser Zustand beibehalten werden kann. Diese Frage beantwortet auch Machfus nicht, aber er zeigt Beispiele auf, wie es möglich wäre und was dem entgegensteht. […]
Bewertung: 8/10 Punkte

Rezension: Die Poeten der Nacht – Barry McCrea

poeten

Genre: Zeitgenössisches

Als Niall Lenihan sein Studium im altehrwürdigen Trinity College zu Dublin antritt, ändert sich sein Leben auf magische Weise. Er trifft Studenten, die des Nachts in alten Büchern lesen, als ginge es um ihre Seele. Es sind »Literati«, Angehörige eines verborgenen Ordens, die einem alten Kult frönen: Mit Hilfe von »Sortes«, schicksalsschweren Textstellen aus alten Büchern, sind sie der Zukunft und dem Mysterium des Lebens auf der Spur. Niall verfällt den Literati und den Sortes. Zu spät merkt er, dass sie sein Leben gefährden.

“Die Poeten der Nacht” ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Klappentext den Leser irreführen kann, denn hier wird ein Verschwörungsthriller in Literaturkreisen suggeriert, so dass der Leser nach der Lektüre dieses Romans zwangsläufig enttäuscht sein muss. Es handelt sich nämlich mitnichten um einen Thriller und auch nicht um eine Verschwörung im herkömmlichen Sinn. “Die Poeten der Nacht” ist vielmehr die Geschichte eines – nicht zuletzt wegen seiner im verborgenen ausgelebten Homosexualität – unsicheren Jugendlichen, der Gefallen an merkwürdigen literarischen Ritualen findet und durch sie den Bezug zur Realität und letztendlich sich selbst in ihnen verliert. Wer Action sucht, wird hier nicht fündig, stattdessen wird das Hinübergleiten in eine Art Wahnsinn oder Besessenheit und die Abgabe jeglicher Kontrolle über das eigene Leben an eine vermeintlich höhere Macht (den Zufall?) detailliert beschrieben.
Barry McCrea gelingt es durch einen – meinem Empfinden nach – sehr nüchternen, und dadurch gleichzeitig sehr eindringlichen Erzählstil, die Abhängigkeit der Hauptfigur Niall und seine emotionale Verunsicherung, die er versucht mit dem Extra-Kick und den Rausch, den er bei den literarischen Sitzungen erfährt, zu kompensieren versucht, gut darzustellen. Wie er der Versuchung des Geheimnisvollen erliegt, sich gleichzeitig dagegen wehrt, versucht ein normales Leben zu führen und mit sich, seiner Sexualität und seinen Partnern ins Reine zu kommen und doch immer wieder dem Drang nach dem “anderen Leben” nachgebeben muss, bis hin zur Selbstzerstörung, hat mir sehr gut gefallen.
Dass die Figuren selbst weitgehend distanziert bleiben, hat mich weniger gestört als das doch etwas abrupte Ende, das meiner Meinung nach durchaus noch etwas differenzierter hätte ausfallen können. Wurden im Laufe des Buches ganze Tage minutengenau beschrieben, ist das Ende in seiner ganzen Bedeutsamkeit doch etwas zu kurz geraten. Auch die Hintergründe blieben mir bis zum Schluss verborgen und einige Fragen offen, doch nach längerem Nachdenken bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dies wohl so gewollt ist und angesichts der undurchsichtigen Materie auch Sinn macht.

Bewertung: 7/10 Punkte

Rezension: Späte Rache – Henrike Heiland

späteracheGenre: Krimi/Thriller

Manche Wunden heilen nie. Und bluten immer weiter… In der Nähe der Rostocker Neptunwerft wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, der man sämtliche Knochen gebrochen hat. Sie wurde gerädert, wird Hauptkommissar Erik Kemper und Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg bald klar. Doch es kommt noch schlimmer: Wenig später gibt es ein weiteres Opfer – zu Tode gequält und gekreuzigt. Ohne nennenswerte Spuren beginnt Anne ihre Recherchen und erkennt, dass die Wurzeln der Morde weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Henrike Heiland hat mit “Späte Rache” einen gelungenen Einstieg in die Rostock-Trilogie vorgelegt, in der die Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg und Hauptkommissar Erik Kemper gemeinsam ermitteln. In diesem ersten Teil treffen die beiden zum ersten Mal aufeinander und dieses Treffen steht unter keinen guten Stern, denn Anne Wahlberg verfügt über besondere Fähigkeiten, die einem hartgesottenen Ermittler wie Kemper nicht unbedingt behagen. Auch ich war zunächst skeptisch und befürchtete einen Schuss zuviel Esoterik, der die Krimi-Suppe versalzen könnte, doch Henrike Heiland hat mich eines Besseren belehrt. Die “besonderen Fähigkeiten” ihrer Kriminalpsychologin sind wohl dosiert und sprengen deshalb auch nicht die Grenzen der Glaubwürdigkeit, so dass man gespannt dem eigentlichen Fall folgen darf. Und der scheint zunächst sehr verzwickt, aber mit zunehmendem Wissen aus den Ermittlungsarbeiten ergibt sich langsam ein klareres Bild, das schließlich zur Auflösung führt. Neben der – meiner Laienmeinung nach – gut beschriebenen Ermittlungsarbeit überzeugen hier vor allem die lebendigen Figuren, die der Leser nicht nur in ihrer Arbeit, sondern auch in ihrem Privatleben kennenlernen darf und so ein umfassendes Bild – wenn auch mit noch offenen Fragen, die bestimmt in den Folgebänden geklärt werden – erhält. Ein Krimi mit Handlungsort Rostock – das ist auch etwas für Krimileser aus den alten Bundesländern, und zwar nicht erst ab der Stelle, in der die Autorin sie geschickt mit den eigenen Vorurteilen konfrontiert. Ein gut durchdachter Krimi mit Lokalkolorit und Figuren zum Anfassen, dessen Fortsetzung ich mir nicht entgehen lassen werde!

Bewertung: 8/10 Punkte

Rezension: Die Liebenden von San Marco – Charlotte Thomas

thomasGenre: historischer Roman

Venedig 1510: Die Pest grassiert in der Lagunenstadt. Sterbenskrank wird die junge Venezianerin Cintia auf eine Seucheninsel gebracht, wo sie dank der Hilfe des Kaufmannssohnes Niccolò überlebt. Ihr gelingt die Rückkehr nach Venedig, doch sie ist zu jung, um das Erbe ihres Vaters, eines reichen Seidenwebers, anzutreten. Gegen die drohende Vormundschaft raffgieriger Verwandter hilft nur eine rasche Heirat, und so stimmt Cintia kurzentschlossen einer Ehe mit dem Schiffsbauer Paolo zu, zum Verdruss Niccolòs, der ebenfalls um sie geworben hatte. Aus der Vernunftehe wird wider Erwarten Leidenschaft, doch tödliche Konflikte werfen bereits ihre Schatten voraus.

In ihrem dritten Venedig-Roman Charlotte Thomas ihren Lesern all das, was einen spannenden historischen Roman auszeichnet: Hier wird geliebt, gehasst, gemordet, intrigiert, gelitten, gesehnt, begehrt, gelebt und gestorben. Inmitten einer turbulenten Zeit, in der die Pest ihr Unheil treibt, folgen wir dem aufregenden und gefährlichen Leben der jungen Patriziertochter Cintia, die sich nur allzu bald von ihren Jungmädchenträumen verabschieden muss und sich in der gefährlichen und harten Realität des 16. Jahrhunderts wiederfindet. Charlotte Thomas gelingt es einmal mehr, vor glaubwürdiger historischer Kulisse Figuren zum Leben zu erwecken, die so vielschichtig und lebendig sind, dass sie schon bald zu guten Freunden werden und sich der Leser in der ein oder anderen emotionalen Situation sofort wiederfindet. Im Mittelpunkt steht die Liebe und doch sind “Die Liebenden von San Marco” mehr als eine klassische Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau. Vielmehr geht es um die verschiedenen Facetten der Liebe und wie sie die Menschen verändert und sowohl Ursache als auch Wirkung von einzelnen Handlungen sein kann. Was Liebe kann und was nicht – davon erzählt diese Geschichte.
Neben dem Schauplatz Venedig, der wie schon in den beiden Vorgängern mit vielen historischen Details liebevoll ausgeschmückt ist, entführt uns die Autorin im Rahmen der Geschichte in einen zweiten, nicht minder spannenden Schauplatz: Konstantinopel. Aber egal, wo sie ihre Figuren leben, lieben und handeln lässt, selbst vermeintlich weniger spannende Szenen und Beschreibungen (z.B. Schiffsbau) stellen sich als sehr interessant und unterhaltsam heraus, so dass die rund 930 Seiten an keiner Stelle langweilig sind, sondern unterhaltsames Lesevergnügen versprechen, an dessen Ende man fast ein bisschen traurig ist, von den inzwischen liebgewordenen Figuren nun Abschied nehmen zu müssen. Für alle, die pralle historische Schmöker lieben, sich gerne in turbulente, längst vergangene Zeiten mit all ihren Wundern und Gefahren zurückversetzen lassen und es schätzen, durch unerwartete Wendungen überrascht zu werden, sind “Die Liebenden von San Marco” ein Muss für diesen Lesesommer!

Bewertung: 9/10 Punkte

4 neue Rezensionen

Für die vollständige Rezension und weitere Infos einfach auf den Titel klicken!

Das periodische System – Primo Levi [(Auto)Biographie]
[…] Von Interesse, Spannung und Mitgefühl bis zu Enttäuschung, Wut und und Unverständnis rühren die Emotionen, die mich bei der Lektüre begleitet haben. Anders als es die Kurzbeschreibung vermuten lässt, handelt es sich hierbei mitnichten um eine Autobiographie des großen italienischen Schriftstellers, sondern vielmehr um 21 Episoden aus seinem Leben oder dem anderer Personen, die in engerem oder weiterem Zusammenhang mit der Arbeit als Chemiker oder einzelnen chemischen Elementen stehen […]
Bewertung: 7/10 Punkte

Frankenstein – Mary Shelley [Klassiker]
Die Geschichte von Victor Frankenstein, der aus wissenschaftlichem Interesse, blindem Ehrgeiz und dem Verlangen nach Ruhm heraus, ein lebendiges Wesen erschafft, ist auch auch heute nicht zuletzt angesichts der Fortschritte in der Genforschung noch so aktuell wie vor 200 Jahren. […] Ein düsteres, spannendes und wichtiges Plädoyer für die Demut des Menschen und die Aufforderung, sich der Verantwortung bewusst zu werden, die mit dem Eindringen in die Natur einhergeht!
Bewertung: 8/10 Punkte

Projekt Atlantis – Andreas Wilhelm [Krimi/Thriller]
[…]Andreas Wilhelm legt einen gelungenen Abschluss seiner Trilogie vor, in dem nicht nur sämtliche noch losen Fäden aufgegriffen, sondern auch alle bisherigen Ereignisse in einen rundum stimmigen Zusammenhang gebracht werden. [… ] “Projekt Atlantis” ist spannend, informativ, geheimnisvoll und weckt die Abenteuerlust in allen, die sich für alte Legenden und ungelöste Mysterien interessieren. Für alle, die bereits die beiden Vorgängerbände gelesen haben, ein Muss; für alle anderen die Empfehlung, mit “Projekt Babylon” zu beginnen!
Bewertung: 8/10 Punkte

Großmutters Schuhe – Renate Welsh [Belletristik]
Edith Karmann, 93 Jahre, Familienoberhaupt, ist gestorben. Auf ihrer Beerdigung kommen Verwandte und Bekannte zusammen und erinnern sich an die alte Dame. So verschieden wie die Erinnerungen, so unterschiedlich auch die Erfahrungen und die Beziehung, die der-/diejenige mit Edith gemacht hat. Stets aus einem anderen Blickwinkel erzählt, ergibt sich auf knapp 200 Seiten ein umfassendes Bild einer bemerkenswerten Persönlichkeit, der es gelungen ist, die Familie auf ihre ganz eigene Art zusammenzuhalten. […] “Eine Familienfeier gerät zur Generalabrechnung” heißt es auf dem Klappentext, und das stimmt, doch nicht nur zur Generalabrechnung mit der Verstorbenen, sondern auch mit dem eigenen Leben mit all seinen unerfüllten Hoffnungen und nicht genutzten Chancen.
Bewertung: 9/10 Punkte

2 neue Rezensionen

Für die vollständige Rezension und weitere Infos einfach auf den Titel klicken!

Eine Hand voller Sterne – Rafik Schami [Kinder/Jugend]
Der namenlose Held dieser Geschichte ist eigentlich ein ganz normaler Junge und doch ist er angesichts seiner Lebensumstände, seiner Einstellungen, seiner Liebe und seiner Freundschaft zu seinem Onkel Salim etwas ganz Besonderes. […] Die zentralen Themen der Geschichte und auch im Leben des Tagebuchschreibers sind Freundschaft und Freiheit, deren Wert er zunehmend zu schätzen weiß. Ein großes Buch für Leser jeden Alters, die einen Ausflug nach Damaskus wagen und es mit den Augen eines 15-jährigen Jungen sehen möchten!
Bewertung: 9/10 Punkte

Das Mädchen und der Schwarze Tod – Lena Falkenhagen [historischer Roman]
Dieser historische Roman bietet wirklich alles: glaubhafte, komplexe Figuren, ein authentisches Setting, eine spannende Handlung und unzählige liebevolle Details, die das Gesamtbild der Geschichte und der gelungenen Kulisse wunderbar abrunden. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der “Lübecker Totentanz”, ein Gemälde, das 1463 vermutlich von Bernt Notke gemalt wurde und Lena Falkenhagen zu diesem Roman inspiriert hat. […] Lena Falkenhagen bietet in ihrem ersten historischen Roman von allem etwas, aber von nichts zuviel, so dass eine in sich stimmige Geschichte entstanden ist, die manch spannende Lesestunden beschert. Für mich ein Highlight aus dem historischen Genre, das nicht zuletzt auch durch sein ungewöhnliches Ende überzeugt!
Bewertung: 10/10 Punkte

Aktuell: Das periodische System – Primo Levi

leviIm Rahmen einer Leserunde bei den Büchereulen:

Angeordnet wie die chemischen Elemente lässt Primo Levi noch einmal die entscheidenden Stationen seines Lebens an sich vorüberziehen: die Jugend in Turin, die ersten Liebschaften, Mussolinis “Rassengesetze”, Auschwitz, die Zeit nach dem Krieg und die Kämpfe um die Rückkehr zur Normalität.

 

Meine Rezension folgt in Kürze.